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Einsatzart

Datum / Uhrzeit

Eingesetzte Ortswehren der Stadt Buxtehude

Eingesetzte Fahrzeuge

TH gr

18.07.02 bis

23.07.02

alle

alle

Überflutungen im Buxtehuder Stadtgebiet

In Folge der starken Regenfälle die sich Mitte Juli über dem Lk Stade ergossen hatten, kam es zu einem starken Anschwellen selbst kleinster Bäche. Alle Buxtehuder Wehren waren zu diversen Einsätzen sowohl im Stadtgebiet, als auch im gesamten Landkreis ausgerückt um Wasser abzupumpen oder Sacksäcke zu füllen oder zu stapeln. Auch die Presse im Landkreis Stade und Umgebung hat über diesen Großschadensfall berichtet, bei dem zeitweise sogar Katastrophenalarm ausgelöst wurde.

Übersicht der Hochwassereinsätze 18.07.02
        

Einsatzort

Einsatzart

Einsatzzeit (von / bis)

eingesetzte Fahrzeuge

Stade

Zur Unterstützung der Stader Feuerwehren wurde auch das LF 16/12 des Zuges I / Buxtehude angefordert. Seine Aufgabe war es in Stade diverse Keller auszupumpen.

1.Gruppe: 9.00 - 17.00

2.Gruppe: 17.00 - 02.45

41/21, 41/71

Rödingsweg

Wasser im Keller

12.55 -13.25

41/41

Hastedtstraße

Wasser im Keller

12.55 - 14.10

41/11

Pohlstraße

Wasser im Keller

16.25 - 17.05

41/41, 41/60, 41/61

Friedrichstraße

Wasser im Keller

17.25 -18.30

41/11, 41/61

Bollweg

Wasser im Keller

19.15 - 20.45

41/11, 41/41, 41/61

Halepaghenstraße

Wasser im Keller

19.25 - 20.30

41/41, 41/60

Schanzenstraße

Wasser im Keller

21.05 - 21.25

41/11, 41/41, 41/61

        
Übersicht der Hochwassereinsätze 19.07. 02
        

Einsatzort

Einsatzart

Einsatzzeit (von / bis)

eingesetzte Fahrzeuge

Neuland

Wasser im Keller

05.30 - 06.45

11, 41, 61

Wiesenstraße

Wasser im Keller

08.40 - 09.00

41, 61

Halepaghenstraße

Wasser im Keller

09.00 - 09.30

41, 61

Dammhausener Straße / K 26

Wasser auf Straße

10.00 -11.00

21, 24, 41, 61

Bollweg

Wasser im Keller

10.55 - 11.55

11

Parkstraße Parkplatz Aldi

Wasser auf Parkplatz

11.40 - 23.59

26, 41, 76

Parkstraße

Wasser im Keller

12.36 - 23.59

21

Auf der Koppel

Wasser im Keller

12.42 - 13.00

11

Marktkauf Bahnhofstraße

Wasser im Lager

13.46 - 14.15

11, 41

Pohlstraße

Wasser im Keller

14.00 - 14.30

41

Parkstraße

Wasser auf Parkplatz

14.00 - 16.00

28

Am Zwinger

Bäume am Wehr

14.50 - 15.10

21

Klostergang

Wasser im Keller

15.02 - 16.00

25

Liebfrauenstraße

Wasser im Keller

15.15 - 15.45

27

Estetalstraße

Wasser im Keller

15.15 - 15.45

60

Obstgarten

Wasser im Keller

15.20 - 15.45

44, 75

Genslerweg

Wasser im Keller

15.25 - 16.00

29

Mühlenteich / Schanzenstraße

Wasser im Keller

15.33 - 16.00

41

Am Zwinger

Bäume am Wehr

15.33 - 16.00

27

Ritterstraße

Wasser im Keller

16.00 - 16.30

29

Parkstraße

Sandsäcke stapeln

16.30 - 17.30

78

Lange Straße

Wasser im Keller

18.15 - 18.30

11

Schützenplatz

Wasser abpumpen

17.20

23

Gebrüder Grimm Weg

Wasser im Keller

17.20 - 18.00

11

Parkstraße

Wasser im Keller

17.20

25

Schützenplatz

Wasser abpumpen

18.00

11

Rödingsweg

Wasser im Keller

 

32

Parkstraße

Wasser im Keller

 

22

Hinter dem Stadthaus

Lageerkundung

18.32

78

Schützenplatz

Wasser abpumpen

19.23

27

Am Geesttor

Wasser im Keller

19.04

41

Poggenpohl

Pumpen und Viehrettung

19.56

24, 47

Parkstraße

Wasser auf Straße

19.59 - 07.00

41

Schützenplatz

Wasser abpumpen

19.59 - 07.00

21

        
Übersicht der Hochwassereinsätze 20.07. 02
        

Einsatzort

Einsatzart

Einsatzzeit (von / bis)

eingesetzte Fahrzeuge

Poggenpohl

Lageerkundung, Sandsäcke verladen

18.26 - 20.26

24, 60, 61, 71

        
Übersicht der Hochwassereinsätze 21.07. 02
        

Einsatzort

Einsatzart

Einsatzzeit (von / bis)

eingesetzte Fahrzeuge

Neuklosterbergstraße

Wasser im Keller

11.46 - 12.45

41

Dammhausener Straße

Wasser auf Straße

15.55

24, 27, 41, 44

Moorende

Wasser abpumpen

16.15

21, 60

Schützenplatz

Wasser abpumpen

16.38

10

        
Übersicht der Hochwassereinsätze 22.07. 02
        

Einsatzort

Einsatzart

Einsatzzeit (von / bis)

eingesetzte Fahrzeuge

Dammhausen Richtung Horneburg

Lageerkundung

20.19

12, 32

Poggenpohl

Lageerkundung

20.35

47, 78

Neuland

Wasser abpumpen

00.00 - 20.30

alle

 

Die Chronik der Überschwemmung

Auf der nachfolgenden Seite finden sie eine chronologische Übersicht über alle Zeitungsberichte 
zur Überschwemmungskatastrophe im LK Stade.

Mittwoch 17.07.2002

  • Schnell, schnell, das Heu muss rein (AO)

Donnerstag 18.07.2002

Freitag 19.07.2002

  • Landkreis Stade: Land unter (AO)
  • Im Norden: Autobahnen überflutet, Kinder gerettet (AO)

Samstag 20.07.2002

  • 81-Jährige: Alles für die Katz (TO)
  • Die Suche nach den Schuldigen (TO)
  • Tiefpunkt in Kehdingen (TO)
  • Hoffnung an der Wetterfront (TO)
  • Die Aue-Deiche halten nicht mehr: Katastrophenalarm (TO)
  • Als der große Regen kam: Wasser ohne Ende (NB)
  • Am Freitag: Sorgen um Deiche (NB)
  • Stade versank in Regenfluten (NB)
  • Regen und Sturm (NB)
  • Furcht vor dem Öl (NB)
  • Hochwasser- Alarm in Horneburg (AO)
  • Horneburg: Hilfe, wir versinken (AO)
  • Kampf dem Wasser (HANO)

Sonntag 21.07.2002

  • Die Pumpen laufen auf Hochtouren (TO)

Montag 22.07.2002

  • Flut bedroht Dammhausen (TO)
  • Wasser in Stader Burggraben gepumpt (TO)
  • Armada von Pumpen gegen die Fluten (TO)
  • Horneburg: "Nichts war zu retten" (AO)
  • Landrat Armonat: Deich verstärken (AO)
  • 60 Wehren im Einsatz (AO)
  • Die Wasserschlacht von Horneburg (AO)
  • Die Gefahr ist noch nicht gebannt (AO)
  • Hochwasser-Helfer (AO)
  • Mit Sandsäcken gegen die Fluten (HANO)
  • Unwetter, Gewitter und kein Ende (FM)

Dienstag 23.07.2002

  • Aufräumarbeiten in Harsefeld (TO)
  • „Wir hatten einfach nicht genug Zeit“ (TO)
  • Flut-Opfer hoffen nun auf Hilfe (TO)
  • Mühlenteich ist nicht schuld (TO)
  • Höchste Priorität für Hochwasserschutz (TO)
  • Hilfe für Flut-Opfer (TO)
  • Wer zahlt den höheren Deich? (AO)
  • Die Opfer bitten um Hilfe vom Staat (AO)
  • Pumpen volle Kraft vorau s (HANO)

Mittwoch 24.07.2002

  • Gabriel verspricht Soforthilfe von einer Million Euro (TO)
  • 120000 Säcke und viel Kaffee (TO)
  • Plantagen in Gefahr (TO)
  • Keller in der Bogenstraße sind immer nass (TO)
  • Angst vor Regenfällen bleibt (NB)
  • Dreimal abgesoffen - schwer zu versichern (NB)
  • Ganz knapp davongekommen (NB)
  • Abwehr der akuten Gefahr (NB)
  • Fassungslosigkeit und Ohnmacht in Horneburg (NB)
  • War nicht vorauzusehen (NB)
  • Vier Tage wenig Schlaf bekommen (NB)
  • Sinkende Pegel, aber keine Entwarnung (AO)
  • Gabriel: Wir helfen den Flutopfern (AO)
  • Wasser steht bis zum Hals (HANO)

Donnerstag 25.07.2002

  • Bauern müssen noch warten (TO)
  • Wulff: Es fließt zu wenig Geld (TO)
  • Erstes Hilfsgeld fließt bereits (TO)
  • Polizei fahndet nach Deich-Verbrecher (TO)
  • Konten für warmen Regen (TO)
  • Steuer-Hilfen für Flut-Opfer (TO)
  • Die Regenflut-Pipeline von Grünendeich (AO)

Freitag 26.07.2002

  • Im Moor sinkt die Hoffnung (TO)
  • Deich keine geheime Kommando-Sache (TO)
  • Deichfrevel: Fahndung (AO)
  • Katastrophe nur knapp entgangen (HANO)

Samstag 27.07.2002

  • Schnelle Hilfe für Horneburger Flutopfer (AO)
  • Aufräumen am Rande der Erschöpfung (NB)
  • Was fehlt, ist ein Frühwarnsystem (NB)
  • Sperrmüllplünderer nach der Flut (NB)
  • Habe kein Zeitgefühl mehr (NB)
  • Haus unter Wasser, Familie verzweifelt (HANO)

Samstag 03.08.2002

  • Wieder Regen-Chaos im Kreis (TO)
  • B 73 - Land unter, Vollsperrung (AO)
  • Schwere Schäden nach Unwetter (HANO)

 

Mittwoch 17.07.2002

Schnell, schnell, das Heu muss rein
Wettlauf. Nass, trocken, nass,wieder trocken - bei der Heuernte hält das Wetter die Bauern im Dauerstress.

Von Karsten Wisser

Klein Wohlerst - Jetzt oder nie.Das hatten sich am vergangenen Freitag viele Landwirte gesagt. Alle Wetterstationen signalisierten: Die nächsten Tage soll es trocken bleiben, bestes Wetter für die Heu- und Silage-Ernte. Was jedoch folgte, löste auf der Stader Geest und in Südkehdingen Verzweiflung aus. Sonnabend und Sonntag regnete es stundenlang. In einigen Orten im Landkreis Stade fielen allein am Sonntag bis zu 17 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Land unter auf den Wiesen, das Grünfutter für die Tiere verdarb. Dabei wirft ein Hektar Grünland nach Information des Stader Landvolks bei normaler Ernte im Jahr rund 20 Tonnen Silage ab.

Landwirt Albert Eckhoff (41) aus Klein Wohlerst hatte wie viele der guten Prognose des Agrarwetterdienstes geglaubt. 17 Hektar lagen gemäht auf der Wiese. Und das Schlimmste an der Sache: Die Vorhersage sagte nun auch für Montag und die folgenden Tage Regen voraus. Das wechselhafte norddeutsche Wetter schien den Landwirten mal wieder zum Verhängnis zu werden. "So ein schlechtes Wetter wie in diesem Jahr hatten wir noch nie", sagt Albert Eckhoff. Nach Messungen eines Nachbarn ist die Gesamtniederschlagsmenge der Vorjahre in Klein Wohlerst bereits jetzt erreicht. Die Konsequenz: Immer häufiger vergammeln Heu und Silage auf den Wiesen oder können nur in minderwertiger Qualität eingebracht werden. Futter muss teuer zugekauft werden.

Diesmal war es Glück im Unglück. Die Wetterfrösche lagen mit ihrer zweiten Prognose schon wieder falsch. Der Montag wurde schön, windig und warm. Optimale Bedingungen also. Für Albert Eckhoff und die anderen Landwirte bedeutete das Arbeiten bis in die Nacht. Im Akkord wurde das wertvolle Futter eingefahren, auf dem großen Silo-Haufen zusammengetragen und verdichtet oder zu runden und eckigen Silage- oder Heu-Ballen zusammengewickelt.

Auch wenn die Silage durch das bessere Wetter zum Teil noch gerettet wurde, ist und bleibt der Sommer 2002 für Landwirte schwierig. "Normalerweise können wir vier Siloschnitte im Jahr reinbringen, bisher haben wir nur zwei, und wer weiß, ob es noch mehr werden", befürchtet Albert Eckhoff. Der Familienvater ist gelernter Landmaschinenschlosser, hat den Hof mit 17 Jahren von seinem Vater übernommen. Trotz jahrelanger Routine herrscht bei jeder Ernte zwischen Sonnenschein und Regenschauer der Ausnahmezustand.

Klaus-Hinrich Breuer, Geschäftsführer des Stader Landvolks, bestätigt die Probleme. "Wir hatten schon Sommer mit mehr Niederschlag, in diesem Jahr ist die Unbeständigkeit das große Problem", sagt Breuer. Insgesamt werden im Landkreis Stade 80 000 Hektar Land bewirtschaftet, davon sind rund 34 000 Hektar Grünland.

erschienen am 17. Jul 2002 in Harburg

Freitag 19.07.2002

Landkreis Stade: Land unter
Flutwelle. Regenmassen sorgten für Katastrophenvoralarm.

Von Manfred Peschel

Stade - Katastrophenvoralarm hat der Landkreis Stade am Donnerstag um 10 Uhr ausgerufen. Der starke Dauerregen hatte Straßen und Gärten überflutet und Keller volllaufen lassen. Am Haddorfer Grenzweg in der Stadt Stade strömte das Wasser aus einem gebrochenen Regenrückhaltebecken auf den Bahndamm zu und drohte ihn zu unterspülen. Die Züge passierten diese Stelle nur noch langsam. Bahntechniker beobachteten die Gefahrenstelle. Auch das Wohngebiet in der Nähe des Regenrückhaltebeckens war gefährdet. Alle Feuerwehren und weitere Hilfskräfte waren im Einsatz, um die Wassermassen zu bekämpfen. Weitere Gefahrengebiete lagern um Drochtersen und in Harsefeld. In Harsefeld sperrte die Polizei die Herrenstraße, da die Hauptstraße des Ortes auf 200 Metern überflutet ist. Beim Kampf gegen die Wassermassen im Ortszentrum werden die Harsefelder von vier Zügen aus der Kreisbereitschaft aus dem Landkreis Harburg unterstützt.

Die Autobahn 1 wurde zwischen Bokel und Sittensen am Donnerstagmorgen gesperrt. Das Wasser stand dort zum Teil fünf bis zehn Zentimeter hoch auf der Fahrbahn. Der Grund: Bei Sittensen war die Kanalisation überlastet. Die Rohre nahmen die plötzlich entstandenen Wassermassen nicht mehr auf. Es bildeten sich lange Staus in Richtung Hamburg und Bremen.

Auf der A 7 bei Thieshope verlor gegen 7 Uhr ein 24-jähriger Fahrer die Kontrolle über seinen Klein-Lkw, weil er zu schnell fuhr. Der Mercedes prallte gegen die Schutzplanken und kippte auf den Standstreifen. Der verletzte Fahrer wurde ins Krankenhaus nach Salzhausen gebracht.

Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes sind 50 bis 80 Liter Regenwasser pro Quadratmeter und 24 Stunden herunter gekommen.

"Das ist in einem normalen Jahr die durchschnittliche Menge für den gesamten Monat Juli", sagte Hans-Joachim Heinemann, Metereologe beim Wetterdienst. Ausgelöst hat diese Flut aus den Wolken das Tief Claudia, das sich vor drei Tagen im westlichen Mittelmeer bildete.

erschienen am 19. Jul 2002 in Harburg

Im Norden: Autobahnen überflutet, Kinder gerettet


In Schleswig-Holstein meldete die Feuerwehr bis gestern Abend mehr als 4500, die Polizei mehr als 1500 Einsätze. In Elmshorn war die Innenstadt überflutet, in Norderstedt das Parkdeck am Rathaus. In Reinbek musste ein voll gelaufenes Altenheim evakuiert werden. Nahe Ratzeburg brachten Rettungskräfte 60 Kinder und ihre Betreuer von einem überschwemmten Zeltlager in Sicherheit; sie kamen in einem Schulgebäude unter.

Die Ortschaft Ahrensbök wurde wegen Überflutung für den Verkehr gesperrt. In Trappenkamp musste die Feuerwehr ihr eigenes Gerätehaus leer pumpen. In Eutin legte ein Blitz die Rettungsleitstelle lahm. In Ostholstein rettete die Feuerwehr Kühe, die bis zum Hals im Wasser standen. Allenorts kippten Bäume um, weil der Boden aufgeweicht war. Einige Autobahnen und viele Bundesstraßen wurden gesperrt. Wasserstand: bis zu 70 Zentimeter. Im Kreis Plön empfahl die Polizei, zu Hause zu bleiben. In Kiel pumpte die Feuerwehr stundenlang Wassermassen vom Ende der A 215. In der nahen Ikea-Filiale, die gestern eröffnet wurde, lief die Tiergarage voll. Die Bahnstrecken von Kiel nach Lübeck, Travemünde und Puttgarden wurden am Vormittag gesperrt, weil die Gleise unterspült waren. Ähnlich das Bild in Niedersachsen. In Tostedt (Landkreis Harburg) wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. In Stade und Braunschweig galt Katastrophen-Voralarm. In Stade war der Damm eines Regenrückhaltebeckens gebrochen, in Braunschweig trat die Oker über die Ufer. Im Harz half wieder mal die Bundeswehr: Soldaten schichteten in der Goslarer Altstadt und in Vienenburg Sandsäcke auf. Bei Wolfenbüttel waren zwei Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Die Autobahn 1 Hamburg-Bremen war bei Sittensen zeitweise nicht befahrbar, ebenso die A 37 bei Hannover. Die A 39 wurde bei Salzgitter nach einem Erdrusch gesperrt.

erschienen am 19. Jul 2002 in Hamburg 

Samstag 20.07.2002

81-Jährige: Alles für die Katz
40 Häuser und Grundstücke in der Harsefelder Wiesenstraße überflutet

Inge Krämer steht fassungslos im Schlafzimmer ihrer Mutter. Den Sessel haben sie noch auf das Bett gehievt, aber letztlich waren sie gegen die Wassermassen machtlos. In der 
unteren Etage ihres Hauses in der Wiesenstraße in Harsefeld stand ihr das Wasser bis zu den Knien.
Foto: Kaphengst

Harsefeld (uk). Die Blusen in Omas Kleiderschrank hängen gerade noch über der Wasseroberfläche, ihre Kleider mittendrin. „Das Wasser stieg und stieg. Plötzlich waren alle Räume voll“, erzählt Inge Krämer (61) aus Harsefeld. Verzweifelt sieht sie sich in der Wohnung ihrer Mutter um. Der Teppich wölbt sich unter ihren Füßen.

Gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnt sie das Siedlerhaus (Baujahr 1950) in der Wiesenstraße, direkt an der Aue. „Mein Mann kam aus dem Krieg. Da haben wir das hier gebaut,“ sagt Frieda Grabautzke. „Jetzt ist alles für die Katz“. Die 81-Jährige hat letzte Nacht kein Auge zugetan. In ihre Wohnung kann sie nicht zurück. Alles steht unter Wasser. Jetzt sitzt sie oben in der kleinen Küche ihrer Tochter – schweigt und weint.
Nur ihre Papiere und das Notwendigste hat sie retten können, als am Donnerstagabend die Wassermassen in ihr Haus eindrangen. Um Mitternacht stand die Brühe schon 20 Zentimeter hoch. Am Freitagmittag kletterte der Pegel in ihrem Wohnzimmer auf 45 Zentimeter.
Die Kinder aus der Nachbarschaft fahren im Garten Schlauchboot. Ihr Plastik-Spielzeug schwimmt zwischen den Bäumen. Die Erwachsenen stehen verzweifelt vor ihren Grundstücken. In 40 Häusern hat das Wasser der Aue ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Feuerwehr und THW waren bis zwei Uhr nachts im Einsatz. Inzwischen ist es 13 Uhr. Jetzt können die 110 Hilfskräfte hier nichts mehr tun. „Wenn sie vorne pumpen, läuft die Wanne hinten wieder voll“, erläutert Gemeindebrandmeister Wilfried Lühring. Die Hilfstrupps werden nach Horneburg geschickt.

Die Suche nach den Schuldigen
Oberdeichrichter Arend Fischer klagt an

Kreis Stade (bv). Die Wasserfluten hatten am Freitag noch nicht einmal ihren höchsten Pegelstand erreicht, da begann bereits die Suche nach den Schuldigen an der Katastrophe. Einer, der schon seit Jahren die Finger in die Wunde legt, ist der Oberdeichrichter der I. Meile Alten Landes, Arend Fischer. Er ist sauer auf Kommunen, den Landkreis und auf die Bezirksregierung.

Diese hätten auf die Warnung nicht reagiert. „Der Deichverband fordert seit Jahren den Bau von Regenrückhaltebecken entlang der Aue. Wir reden gegen eine Wand“, sagte Fischer zum TAGEBLATT und klagte: „Seit fast 20 Jahren liegt der Plan zur hochwassersicheren Durchführung der Aue durch Horneburg auf Eis.“ Dabei sei wegen der neuen Wohngebiete die Gefahr immer größer geworden.
Der Grund: Immer mehr Wasser kommt aus Richtung Harsefeld die Aue hinunter. Die Ortschaften wachsen unaufhaltsam, immer mehr Flächen werden versiegelt. Folge: Das Wasser kann nicht schnell genug abfließen. „Wir können froh sein, dass wir keine Sturmflut hatten.“ Denn, ist das Lühe-Sperrwerk wegen einer Sturmflut verschlossen, staut sich das Wasser zusätzlich. Auch die Brücken entlang der Aue/Lühe seien nicht hoch genug – bei Flut wirken diese wie ein Staudamm.
Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms erklärt die Flut auch damit, dass Umweltschutz und Geldmangel Schutzmaßnahmen verhindert hätten.

Oberdeichrichter Arend Fischer hatte seit Jahren gewarnt – jetzt brach die große Flut über Horneburg herein. Foto: Vasel.

Tiefpunkt in Kehdingen
In Hüll-Sietwende steigt der Wasserstand auch ohne Regen

Endlich Sandsäcke: Willi Funck (im grünen Overall) muss seine Baumschule schützen. Foto: Peters

Drochtersen (pop). Land unter in Kehdingen. Im Drochterser Bauhof werden Sandsäcke gefüllt. Seit 7 Uhr in der Früh ist die Baljer Feuerwehr im Einsatz. „Gott sei Dank“, sagt Willi Funck (62), als die Ladung Sandsäcke bei ihm ankommt. Seit Donnerstagmittag steht das Wasser auf dem Hof seiner Baumschule in Hüll-Sietwende. Sietwende ist einer der niedrigsten Punkte im Landkreis. Selbst als der Regen aufgehört hat, steigt das Wasser weiter. Das Abpumpen funktioniert nicht richtig. Alle Gräben und Becken sind voll. Funck ist darauf vorbereitet. „Wenn's gefährlich wird, geht die Dränage an.“ Zunächst dachte er: „So viele Sandsäcke braucht ich nicht. Aber dann wurde es hektisch.“
Im Kehdinger Moor stehen mehrere Höfe und Vorgärten unter Wasser. Bei der Familie Horwege in Drochtersermoor ist der Garten ist nicht mehr zu retten. Auch bei den Horweges steht das Wasser bis vor die Haustür. Ein Damm aus Sandsäcken soll verhindern, dass mehr nass wird als der Wäschetrockner im Keller. Im Bützflethermoor hat sich die Lage entspannt. Über dicke Schläuche wird das Wasser abgepumpt. Feuerwehren aus Hagen und Wiepenkathen bevölkern seit 6 Uhr die Gärten und Wiesen.

Hoffnung an der Wetterfront

Kreis Stade (pop). 16 Zehn-Liter-Eimer Wasser pro Quadratmeter strömten von Mittwoch bis Freitag aus den Wolken. Der Stader Wetterbeobachter Uwe Gerth zählte seit Mittwoch 160 Liter Regen. Im normalen Juli fallen sonst nur 79 Liter – im ganzen Monat. Gerth, der seit 1960 das Wetter beobachtet, hat so einen Regenguss noch nicht erlebt. Schuld daran ist das Tief „Claudia“. Über dem Mittelmeer waren enorme Wassermassen verdunstet und nördlich gezogen. „Zwar sind Juni und Juli auch sonst die Monate mit dem meisten Niederschlag, doch Werte wie jetzt gab es seit 88 Jahren nicht mehr“, so Anja Ulrich-Merten vom Wetterdienst Indicavia. Ihre Prognose für die nächsten Tage: Es wird wärmer. Am Sonnabend soll der Regen komplett ausbleiben. Ab Sonntag wird es jedoch wieder etwa eine Stunde pro Tag regnen. Bis August sollen nur wenige schöne Tage kommen. „Es wird einfach kein Sommer, wie wir ihn gerne hätten“, so Anja Ulrich-Merten. Das Gröbste sei jedoch überstanden.

Die Aue-Deiche halten nicht mehr: KatastrophenalarmRegen flutet den Kreis – In Horneburg bricht der Damm

Kreis Stade (bv/chw/ing/pop/uk). Am Tag zwei der Katastrophe kommt es knüppeldick. In Stade, Kehdingen und Harsefeld steht das Wasser weiter in Kellern und auf den Straßen. In Horneburg strömt die Flut über die Deiche der Aue. Der Flecken ist gefährdet. Landrat Armonat ruft um 13.05 Uhr Katastrophenalarm aus.

Mehr als 600 Helfer kämpfen rund um die Uhr gegen die Wassermassen.
Am Freitag kristallisiert sich Horneburg als Brennpunkt heraus. Um 6.55 Uhr wird der erste Alarm gegeben. Immer mehr Helfer finden sich in Horneburg ein. Doch die Aue schwillt an – und tritt mehrfach über die Deiche.
Landrat Gunter Armonat ruft den Katastrophenalarm aus. Er schart seine Dezernenten und Amtsleiter sowie Fachleute von Polizei, Feuerwehr und Straßenbauamt um sich. Vor Ort stehen bis zu 400 Helfer bereit. Sandsäcke werden gefüllt, undichte Stellen abgesichert. Nachbarn schließen sich den Einsatzkräften an. Verzweifelt versuchen sie, ihr Hab' und Gut zu schützen. Die B 73 muss gesperrt werden. Im Marschdamm hilft nichts mehr. Die ersten Häuser werden evakuiert. Abends bricht der Damm bei der Friedensbrücke auf einer Länge von 200 Metern. Das Wasser strömt gen Gewerbegebiet. Daraufhin wird der Wall abgetragen, zwölf Hektar vom Bullenbruch geflutet.
Alarm herrscht auch in Harsefeld. Betroffen ist vor allem das Wohngebiet am Freibad. Die Bewohner stehen in ihren Häusern kniehoch im dreckigen Wasser.
In Fredenbeck droht der Damm des Mühlenbachs zu brechen. Mit einem Bagger wird ihm das Wasser abgegraben – die Rettung.
In Kehdingen und im Alten Land laufen die Schöpfwerke weiter auf Hochtouren.
Mittags entspannt sich durch die nachlassenden Regenfälle die Lage in Buxtehude, wo die Innenstadt von Autos geräumt werden muss. Die Este tritt über die Ufer. Gleiches gilt für Straßen in Stade. Auch hier laufen weiterhin die Pumpen heiß.

Als der große Regen kam: Wasser ohne Ende

Martinshorn & Blaulicht von früh bis spät: Stade war Einsatzschwerpunkt für die Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis

Wasser bestimmte das Bild: Auf der Altländer Straße ging es am frühen Nachmittag nur noch einspurig voran Foto: hr  

  (hr). „Land unter“ hieß es im Landkreis Stade am Donnerstag vor allem in Stade, Harsefeld und Drochtersen. Bereits am Morgen waren in Stade alle verfügbaren Feuerwehrleute im Einsatz, um gegen Überschwemmungen in vielen Teilen der Stadt anzukämpfen. Den ganzen Tag über gehörten Blaulicht und Martinshorn zum durchnäßten Stadtbild. Um 10 Uhr löste der Landkreis dann „Katastrophenvoralarm“ aus, um kreisweit alle Einsätze koordinieren zu können. Durch die weiter anhaltenden kräftigen Regenfälle eskalierte die Situation – ganze Straßen „soffen ab“. Vorübergehend gesperrt war zum Beispiel nicht nur die Hansestraße in Stade, sondern auch die Harsefelder Herrenstraße, eine sonst vielbefahrene Durchgangstraße. Zum Sandsackschleppen rückten Feuerwehren aus Buxtehude in Stade an: Nach dem Dammbruch eines Regenrückhaltebeckens am Haddorfer Grenzweg wurden viele helfende Hände benötigt. Die Hoffnung, der Regen werde am Nachmittag aufhören, bestätigte sich nicht. „Die Feuerwehr ist mit Mann und Maus im Einsatz“, hieß es am Nachmittag aus der Einsatz-zentrale: 500 bis 600 Feuerwehrleute sowie das THW kämpften im Regen einen erbitterten Kampf gegen die allgegenwärtigen Wassermengen. Naß bis auf die Haut kam für die Einsatzkäfte erst am späten Nachmittag Aussicht auf Ablösung: Die Kreisfeuerwehrbereitschaft des Nachbarkreises Harburg rückte zur Verstärkung an, um den Stader Kameraden zu einer Verschnaufpause zu verhelfen. Auch aus Rotenburg kam Hilfe.  

 

 

 

Am Freitag: Sorgen um Deiche

(kat). Die Lage spitzte sich zuletzt auch im Bereich der Deiche zu. Einsatzkräfte konzentrierten sich am Freitag morgen auf den Lühedeich in Horneburg. Hier drohte der Fluß überzulaufen und sich in die Wiesenlandschaft des Bullenbruchs zu ergießen. Hingegen gab es von der Einsatzleitzentrale die Richtigstellung, daß der Deich in Drochtersen halte und nicht, wie zuvor fälschlicherweise gemeldet, ge brochen sei. „Das ist hier allmählich die Aufteilung der letzten Reserven“, sagte ein erschöpfter Feuerwehrmann aus Stade. Teilweise bis 3 Uhr nachts waren die Kameraden im Einsatz; um 6 Uhr wurden sie erneut gerufen. Eine Besserung war bis Redaktionsschluß nicht in Sicht. In Stade schüttete es weiterhin „wie aus Eimern“: Am Donnerstag fielen in 24 Stunden mehr als 120 Liter pro Quadratmeter.

Stade versank in Regenfluten

Naß bis auf die Haut kämpften die freiwilligen Helfer verbissen gegen das Wasser an

 

Um die Bruchstelle des Regenrückhaltebeckens (l.) zu stopfen, mußten die Sandsäcke durch viele Hände gehen (r.): Feuerwehrleute aus Buxtehude und Dollern halfen hier, die Situation in den Griff zu bekommen. Ein Taucher sorgte schließlich dafür, daß das Wasser wieder normal abfloß  

hr./ma. STADE. „Wir haben nichts mehr frei.“ Am Donnerstag waren nicht nur die Stader Feuerwehren im Großeinsatz: Viele Wehren aus dem Kreisgebiet halfen in der Schwingestadt im Kampf gegen die Regenmassenaus. Nach Auskunft der Einsatz-leitzentrale hatte es vor allem Stade schwer getroffen, aber auch in Harsefeld standen die Wassermassen so hoch, daß zum Beispiel die Herrenstraße gesperrt werden mußte. Weiterer Einsatzschwerpunkt war Drochtersen. Um 10 Uhr löste der Landkreis Katastrophenvoralarm aus. Der Bruch eines Regenrückhaltebeckens am Haddorfer Grenzweg – nahe der Bahnlinie – erforderte den Einsatz zahlreicher Helfer: Mit Betonmischern angefahrener Sand wurde vor Ort in Säcke geschüttet, die dann per Menschenkette – darunter auch Feuerwehrleute aus Buxtehuder Ortschaften – entlang des Ufers bis zur Bruchstelle durchgereicht wurden. Dabei half die „Sandsackfüllmaschine“, die eigentlich für Einsätze zur Deichsicherung konzipiert wurde. Fast überall im Stadtgebiet gab es vollgelaufene Keller auszupumpen. Arg betroffen waren zum Beispiel Anlieger der Karl-Kühlke-Straße, deren Gärten sich in eine „Seenlandschaft“ verwandelt hatten. Dort drückte das Wasser auch in die Keller. „Der Kühlschrank ist auch hin“, meinte ein durchnäßter Gartenhausbesitzer, dessen Blick sorgenvoll auf seinem gerade erst komplett renovierten Häuschen lag – jetzt ähnelte es einem gekenterten Hausboot. Die Betroffenen erhoben Vorwürfe gegen die Stadt Stade, weil ein hinter den Grundstücken gelegener Graben schon lange nicht mehr geräumt worden sei. Im Ortsteil Schönisch mußten die 112- Helfer knietief durch einen Vorgarten waten, um das Wasser aus dem Erdgeschoß zu pumpen. „Zum Glück haben wir keinen Keller“, meinte der Hausbesitzer resigniert. „Schwimmfähig“ mußten Autos sein, deren Fahrer den Lidl-Markt Ecke Altländer Straße/Am Bullenhof ansteuerten : Die Straße Am Bullenhof wurde gesperrt, weil sie sich auf etwa 20 Meter Länge bis zu den Bordsteinkanten in einen „Pool“ verwandelt hatte: Offenbar konnte das Wasser hier wegen eines verstopften Gullis nicht abfließen. Manche Autofahrer riskierten trotz der eilig aufgestellten Absperrböcke die Fahrt hindurch und produzierten zum Teil spektakuläre Spritzfontänen. Das Wasser bahnte sich zusehends seinen Weg auf die Altländer Straße. Am Nachmittag ging es auf der Einfallsstraße aus dem Alten Land nur noch einspurig im Wechsel voran. Gegen Mittag war auch in der vielbefahrenen Hansestraße „Land unter“: Den Autofahrern wurde auch dort eine unfreiwillige Unterbodenwäsche zuteil. Nach einer vorübergehenden

Sperrung entspannte sich dort die Situation am Nachmittag aber wieder.

Pumpen, was das Zeug hält: Auch in Stade-Schölisch waren die Feuerwehrleute bemüht, abgesoffene Keller oder Wohnungen wieder vom Wasser zu befreien  

Beherzter Griff in die Fluten: Verstopfte Gullis ließen das Wasser auf den Straßen steigen  

Alle Mann im Einsatz: Die Freiwilligen der Stader Feuerwehren wurden im Laufe des Tages von Kameraden aus dem gesamten Landkreis Stade unterstützt – zu tun gab es mehr als genug  

 
Die Gärten an der Stader Karl-Kühlke-Straße verwandelten sich in eine „Seenplatte“: Lustige Figuren wie der kleine Maulwurf (kleines Foto) wirkten da gar nicht mehr lustig

Regen und Sturm

kat. HORNEBURG. Vom Wasser betroffen war auch die Samtgemeinde Horneburg. Die B73 mußte in Höhe der Sportanlage Blumenthal halbseitig gesperrt werden. Aus den Neubaugebieten gingen bei der Polizei Anrufe genervter Hausbesitzer ein: Keller waren vor allem in den Kalkwiesen und in der Otto-Balzer-Straße vollgelaufen. Hinzu kamen Vorfälle aufgrund des Sturms: Donnerstag Vormittag stürzte in Höhe Postmoor ein Baum um und behinderte den Verkehr auf der B 73. Die Straße mußte gesperrt werden, bis die Feuerwehr „Kleinholz“ gemacht hatte. Nahe der

Kirche im Schloßpark fanden Anwohner einen Jungstorch, der aus dem Nest gefallen war. Die Polizei barg den noch flugunfähigen Vogel und brachte ihn zum Tierarzt.

Furcht vor dem Öl

  kat. HARSEFELD. Land unter auch in Harsefeld: Am Donnerstag mußte die Herrenstraße im Zentrum voll gesperrt werden, weil sich in der Senke ein See gebildet hatte. Außerdem mußte die Feuerwehr Sandsäcke schleppen, weil der sogenannte „Kuhteich“ an der Griemshorster Straße / Auf der Herde drohte, überzulaufen. An dem sonst so idyllischen Teich steht dichte Bebauung ringsum. Der Klosterpark Harsefeld mit seinen Teichen und Gräben bildete eine Mangrovenlandschaft. Auch in Ahlerstedt musste die Hauptstraße gesperrt werden. Nicht nur, daß hier Fahrzeuge nicht mehr passieren konnten – die Hilfskräfte bemühten sich vor allem, Ölschäden in vollgelaufenen Kellern zu vermeiden: Durch das Wasser waren Öltanks aufgeschwommen und drohten umzukippen oder gar zu platzen.  

Hochwasser- Alarm in Horneburg

Stade - Während die Wetterlage in Norddeutschland sich am Freitag nach tagelangem Dauerregen vielerorts entspannt hat, spitzte sie sich in mehreren Hamburg-nahen Landkreisen noch zu.

In Horneburg (Landkreis Stade) wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Dort traten die Flüsse Lühe und Aue über die Ufer und überfluteten den Nordteil der Gemeinde. Viele Bewohner mussten ihre Häuser räumen. Sie kamen bei Freunden und Verwandten oder in Schulgebäuden unter. Mehrere Hundert Einsatzkräfte bauten Wälle aus Sandsäcken. Autos mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Bundesstraße 73 Hamburg- Stade und alle Ortszufahrten wurden gesperrt. Der Katastrophenstab in Stade bleibt am Wochenende aktiv.

In den Regionen Soltau und Rotenburg/Wümme wurden Tausende Sandsäcke aufgeschichtet. Die Wümme trat über die Ufer. Die Ausfahrt Dorfmark (Landkreis Soltau-Fallingbostel) an der Autobahn 7 Hamburg-Hannover wurde gesperrt.

Bei Haseldorf (Kreis Pinneberg), Wilster und Krempe (Kreis Steinburg) kämpften mehr als 300 Einsatzkräfte gegen die Wassermassen. Gräben, Teiche und Bäche liefen über. Teile von Glückstadt sowie die Ortsmitte von Schenefeld (Kreis Steinburg) wurden überflutet. Vieh musste von überschwemmten Weiden geholt werden.

Die Bahnstrecke Kiel-Lübeck bleibt wegen Gleisunterspülung zwölf Tage gesperrt. Es werden Busse eingesetzt.

In der Haseldorfer Marsch (Kreis Pinneberg) fürchten Obstbauern um ihre Existenz. Obstbäume sterben ab, weil ihre Wurzeln im Wasser stehen. Der Kreisbauernverband forderte Hilfe vom Staat. HA

erschienen am 20. Jul 2002 in Norddeutschland

Horneburg: Hilfe, wir versinken
Flutwelle: Wegen der Wassermassen gab es im Raum Buxtehude Katastrophenalarm.

Von Manfred Peschel

Horneburg/Buxtehude - Der Dauerregen vom Tief Claudia hat nachgelassen. Aber Horneburg säuft ab. Seit 3 Uhr in der Nacht zum Freitag kämpfen die Anwohner der Straßen Vordamm, Mühlenkamp und Ostdeutscher Ring gegen die Wasserfluten. Die Aue läuft über, das Wasser strömt über den Deich und läuft in die Wohngebiete. Auch aus den Sielen quillt das Wasser, schießt in den Häusern sogar aus den Toiletten. Die Abläufe aus den Gebäuden und von den Straßen sind zu Zuläufen geworden. Denn der Wasserdruck aus den Gräben, Bächen und Flüssen ist höher als der Druck aufgrund des Gefälles in der Oberflächen- und Schmutzwasserentsorgung. Um 13 Uhr hieß es vom Landkreis Stade: Katastrophenalarm für Horneburg.

"Es gibt kaum noch Auslaufräume für Regenwassermengen. Zu viel Fläche ist versiegelt und zugebaut", sagt Arend Fischer, Deichverbandsvorsteher aus Steinkirchen, "und die Straßenbrücken haben einen zu geringen Durchlauf, so dass sich das Wasser dort staut und zu Überflutungen der Straßen führt, obwohl wir noch nicht einmal Hochwasser auf der Elbe haben."

Die Lage in und um Buxtehude spitzt sich zu. Das Wasser von der Geest strebt der Marsch, den tiefergelegenen Gebieten, und der Elbe zu. Von Dammhausen durch den Bullenbruch ergießt es sich wie durch einen Wildbach. In den Nachmittagsstunden musste die Innenstadt von Buxtehude evakuiert werden. Alle Autos raus. Was nicht niet- und nagelfest war, musste gesichert werden. Hauseingänge, Kellerfenster und -türen wurden mit Sandsäcken verbaut und dichtgepackt.

In Horneburg und Agathenburg wurden Deponien eingerichtet, um Säcke zu befüllen. Rundpacker, die auch bei Sturmfluten zur Deichsicherung eingesetzt werden, schaffen es schneller als die Helfer es mit Spaten und Schaufel könnten. 2000 Sack pro Stunde, und jeder einzelne wird gebraucht.

Derweil geht der Kampf in Horneburg in der Straße Vordamm um die Sicherung des eigen Hab und Guts weiter. Per Hand werden hier die Sandsäcke befüllt und mit Schubkarre, "Hackenporsche" und sogar Kinderwagen zum eigenen Haus gerollt. Ob in Badehose und T-Shirt oder im Ostfriesennerz, Jeans und Gummistiefeln - das Aussehen spielt jetzt keine Rolle. Frauen und Männer schleppen die etwa zehn Kilo schweren Sandsäcke. Das Wasser, das das Eigentum vernichtet, muss gestoppt werden. Feuerwehrmann Volker Tamcke versucht die Arbeiten, bei denen vorrangig jeder sein Haus und sein Eigentum retten will, zu koordinieren. "Packt die Siele zu. Sonst säuft die ganze Gegend ab." Per Sprechfunk versucht Tamcke noch Pumpen, Lkw mit Sand und Säcken aus den Nachbarorten herbei zu rufen. Vor einigen Häusern stehen kleine Tische mit Kaffeekannen und belegten Brötchen oder Kuchen. Die Helfer sollen sich zwischendurch stärken können.

Am frühen Nachmittag wird die B 73 bei Horneburg überflutet. Der Verkehr bricht zusammen. Auch auf der A 1 zwischen Rade, Heidenau und Sittensen geht kaum noch was. In der Nacht war versucht worden, die vom Regen ausgespülten Schlaglöcher provisorisch auszubessern. Das misslang. So wurden dann in den Morgenstunden zwei Baustellen eingerichtet. Mit dem Ergebnis, dass sich kilometerlange Staus bildeten und an den Stauenden Auffahrunfälle ereigneten. Mehrere Personen wurden schwer verletzt.In Lindhorst rettet ein Bauer seine Kühe von der Weide vor dem Ertrinken.

erschienen am 20. Jul 2002 in Harburg

Kampf dem Wasser

Rübke (sl). Gummistiefel waren gestern nötig, um sich trockenen Fußes durch die Buxtehuder Straße in Rübke zu bewegen. Mit ihren dunkelblauen Exemplaren ging Elli Herrmann gemeinsam mit ihrer zehnjährigen Enkelin Annika durch den Vorgarten, der einem See glich. Auch Schäferhund Tom war nicht gerade begeistert davon, dass er sich bei seinem Gang ums Grundstück nasse Pfoten holte. "Bei unseren Nachbarn stand das Wasser schon in der Stube", sagte Elli Herrmann.

Die Feuerwehr Rübke und Neu Wulmstorf hatte rund 1500 Sandsäcke geordert - 1200 hatte sie bis Freitagnachmittag bereits verbraucht. "Der Wasserstand ist rund 60 bis 80 Zentimeter höher als das Normalwasser", sagte Bernd Schönel, stellvertretender Pressesprecher in der Gemeinde Neu Wulmstorf.

Auch die sechsjährige Rieke Müller und ihr Bruder Dennis sorgten vor: Aus ihrem Sandkasten opferten sie den Sand und schaufelten ihn fleißig in Säcke, um damit die Eingangstür abzudichten. "Sonst läuft das Wasser nämlich ins Haus", erklärte die sechsjährige Rieke fachmännisch.  
HAN, 20.07.2002)  

Sonntag 21.07.2002

Die Pumpen laufen auf Hochtouren
Entspannung an der Hochwasserfront

Kreis Stade (bv). Der Landkreis Stade hat am Sonnabend um 17.15 Uhr den Katastrophenalarm für die Samtgemeinde Horneburg aufgehoben. „Hier ist eine leichte Verbesserung eingetreten, die Gesamtwassermengen nehmen nicht mehr zu“, sagte Landrat Gunter Armonat und betonte: „Die Einsatzkräfte bleiben vor Ort.“

Seit drei Tagen kämpfen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk sowie DLRG unterstützt von Johannitern und DRK mit mehr als 1200 Helfer bis zur Erschöpfung gegen die Regenflut.
„Wir haben bislang mehr als 130000 Sandsäcke gefüllt“, sagt Kreisbrandmeister Gerhard Moldenhauer. Bis auf acht der 93 Ortswehren des Landkreises Stade waren alle im Einsatz – verstärkt durch Kräfte aus Harburg, Cuxhaven, Lüneburg und Rotenburg. Katastrophen-Dezernent Helmut Hölscher lobte: „Die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte und der Stäbe klappt prima.“ Die Bevölkerung sei rechtzeitig gewarnt worden.
Entlang der Schwinge und der Aue sowie in Kehdingen stehen weiterhin große Flächen unter Wasser. „In erster Linie ist Horneburg betroffen“, sagte Armonat. Dort trat die Aue am Freitag über die Deiche –  ganze Straßenzüge standen und stehen unter Wasser. Der Bullenbruch wurde zur Entlastung geflutet –  kurz vor Dammhausen stoppte das Wasser. Fieberhaft seien die rund 400 Einsatzkräfte vor Ort damit beschäftigt, die Deichlinie zu sichern und unter anderem Keller leer zu pumpen. Nach Aufhebung des Alarms gilt jetzt die Vorstufe – der Voralarm. Das bedeutet, dass auswärtige Wehren abrücken können.
Etwa 2,25 Meter über Normal sei das Wasser in Horneburg aufgelaufen. Jetzt entspanne sich die Lage, so Armonat. Die Kanalisation sei wieder flott. Brennpunkt war am späten Sonnabend der Mühlenkamp, hier soll jetzt das Wasser abgepumpt werden. Zwischen 500 bis 600 Menschen seien in Horneburg direkt von der Flut betroffen, viele seien verzweifelt. Rund 100 Häuser wurden beschädigt.
Allerdings hätte auch das oberhalb der B 73 geplante Regenrückhaltebecken die Katastrophe nicht verhindern können, betonten Armonat und die Horneburger Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms übereinstimmend. Armonat: „Das war ein Extrem-Ereignis.“ Die Kommune hofft wie alle Beteiligten, dass das Unglück das Projekt „hochwasserfreie Durchführung der Aue durch Horneburg“ beschleunigt.
In der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Stade-Wiepenkathen sprachen Harms, Armonat und Kreisbrandmeister Moldenhauer den Hilfskräften ihren Dank aus. Harms lobte auch die große Solidarität unter Nachbarn und Einwohnern. Dies sei kreisweit zu beobachten gewesen, so Armonat.
Die örtliche Polizei und Harms brachten am Sonnabend ihren Unmut über den Katastrophentourismus zum Ausdruck, der die Arbeit der Helfer zeitweise gestört habe.
Um Horneburg zu entlasten, wurde die Lühe mittels des Sperrwerks zeitweise zu einem Staubecken umfunktioniert – damit das Wasser nicht zu hoch stieg, installierten 48 Helfer des THW am späten Freitagabend dort mehrere Riesenpumpen. Über ein Geäst von 1,5 Kilometern an Schläuchen wird voraussichtlich bis Montag Wasser in die Elbe gepumpt, wenn die Flut aufläuft.
Im gesamten Kreis Stade werden Helfer unermüdlich im Einsatz und in Alarmbereitschaft bleiben, versicherte Landrat Armonat. Die Lage werde ständig überprüft.


Montag 22.07.2002

Flut bedroht Dammhausen
Estebrügger und Moorender Straße gesperrt

  • Foto: Vasel

Buxtehude (bv). Durch die Flutung des Bullenbruchs bei Horneburg ist Dammhausen „massiv bedroht“. Auch am Sonntag verstärkten die Anwohner vom Poggenpohl den Sandsack-Wall, den THW und Feuerwehr in der Nacht zu Sonnabend errichtet hatten. Die Wiesen sind größtenteils überflutet. Das Vieh einiger Horneburger Bauern, das in Dammhausen Asyl gefunden hatte, musste ein zweites Mal umziehen. „140 Kräfte waren im Einsatz, wir haben in Dammhausen 15000 Sandsäcke eingebracht“, sagt Heinz-Holger Witt von der Feuerwehr. Die Stadt hat die Estebrügger und Moorender Straße sperren lassen. Pumpen sollen Wasser aus dem Moor in die Este pumpen, um Reserven für weitere Regenfälle zu schaffen, so Rolf Kampmeier vom städtischen Krisenstab.

 

Wasser in Stader Burggraben gepumpt
Wettern überlastet

Stade (sbi). Am Sonnabend herrschte in Stade an der Harschenflether Wettern, die die Glückstädter Straße beim Pressehaus kreuzt, höchste Alarmstimmung: Die Wettern war so hoch geflutet, dass das Wasser nicht mehr zum Hauptschöpfwerk am Gasometer geleitet werden konnte.
Um 13.30 Uhr erteilte die Stadt Stade den Auftrag, dass eine Pumpe installiert werden sollte, um die Wettern zu entlasten. Der Unterhaltungsverband Kehdingen unter der Leitung von Verbandschef Heinrich Heinsohn trat gemeinsam mit der Stader Feuerwehr und der Drochterser Firma Wrage in Aktion. Noch in der Nacht wurde eine Pumpe neu installiert und in Betrieb genommen. Die Feuerwehr hatte eine 300 Meter lange Leitung aus Stahlrohren gelegt, durch die 500 Liter Wasser pro Sekunde in den Burggraben strömen.
„Ein einfacher Feuerwehrschlauch würde dem gewaltigen Druck gar nicht Stand halten können“, sagte Heinrich Heinsohn dem TAGEBLATT. Er berichtete, dass auch Stades Bürgermeister Hans-Hermann Ott während der Rettungsmaßnahme in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag und auch am frühen Sonntagmorgen vor Ort war und den beteiligten Helfern für die gerade noch rechtzeitige technische Hilfsmaßnahme dankte.

 
Armada von Pumpen gegen die Fluten
Harms: Gefahr eines Deichbruchs in Horneburg gebannt – Buxtehude übt Kritik an der Informationspolitik des Landkreises

Kreis Stade (bv). Keine Entwarnung an der Hochwasserfront: Auch nachdem der Landkreis Stade am Sonnabend um 17.15 Uhr in der Samtgemeinde Horneburg den Katastrophenalarm aufgehoben hatte, sind dort weiter rund 300 Helfer von Feuerwehr, DLRG und THW im Einsatz.

Die Lage habe sich inzwischen kreisweit entspannt, so der Krisenstab in Stade am Sonntagabend.
Gemeinsam mit der Bevölkerung ging es am Sonntag in Horneburg ans Aufräumen. Die Einsatzkräfte pumpten unermüdlich Wasser aus den Häusern und den Überschwemmungsgebieten in die Aue. Auf dem Parkplatz Marktkauf, vor dem Forellenhof Wilke und an der Anne-Frank-Straße richtete die Kommune Müllsammelplätze für Sperr-, Elektro- und Restmüll ein. Die Sandsäcke sollen zur Sicherheit liegen bleiben, teilte die Verwaltung mit. Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms: „Nach jetziger Großwetterlage besteht keinerlei Gefahr eines Deichbruchs in Horneburg.“
Die Kommune hat unter 04163/8079-17 ein Bürgertelefon in der Zeit von 7 bis 18 Uhr eingerichtet. Weite Teile der überschwemmten Straßenzüge in Horneburg sind wieder begehbar.
Am Mühlenkamp pendelte die örtliche DLRG mit einem Wasser-Taxi zu überfluteten Häusern. Viele Horneburger – die nicht versichert waren –  hoffen nun auf staatliche Hilfen. „Nach dem Aufräumen beginnt das große Rechnen“, sagt Klaus Kuchenbecker.
Aue-Anlieger wie Uwe Schaper fordern, dass zügig Konsequenzen aus der Flut-Katastrophe gezogen werden: „Der Deich muss erhöht werden, das Regenrückhaltebecken endlich gebaut werden.“ Die Pläne dafür seien längst fertig, gibt Landrat Gunter Armonat zu. Die Umsetzung sei bislang an der Frage gescheitert, wer das Bauwerk unterhalten muss. Dafür müsse ein Wasser- und Bodenverband gegründet werden. Armonat stellt fest: „Die Aue-Niederung südlich der B 73 muss als Polder genutzt, der Deich erhöht werden.“
In Drochtersen und Harsefeld seien die Wohngebiete wieder trocken gelegt –  jetzt wird aufgeräumt, teilte eine Sprecherin des Landkreises Stade mit. Allerdings stehen weiterhin große Flächen in den Flussniederungen und Mooren im gesamten Kreisgebiet unter Wasser. Das Gewitter am Sonntag ließ Keller und Straßen überlaufen.
Um bei weiteren Regenfällen eine Sicherheitsreserve zu schaffen, arbeiten Pumpen und Schöpfwerke bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Auch in Neuland stellten THW und Feuerwehr eine Armada von Pumpen auf.
Die Flutung des Bullenbruchs bei Horneburg ab Freitagabend blieb nicht ohne Folgen. „In Dammhausen ist die Lage weiterhin äußerst kritisch“, sagt Heinz-Holger Witt von der Buxtehuder Feuerwehr, die gegenwärtig mit rund 140 Mann im Einsatz ist.
Die Dammhauser und die Feuerwehr errichteten mit Hilfe des THW einen Sandsackwall, um eine Überflutung der Ortschaft zu verhindern. „Wir sind bislang mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte Witt. Wenige Zentimeter hätten bislang bis zum Überschwappen gefehlt. Aus der Mitte des örtlichen Krisenstabes kam Kritik. Die Flutung des Bullenbruchs hätte Buxtehude erst aus Radio und TV erfahren.

Horneburg: "Nichts war zu retten"
Flutwelle: Millionenschäden hat das Wasser in den Häusern der Gemeinde angerichtet.

Von Manfred Peschel

Horneburg - Wasser steht kaum noch in den Straßen von Horneburg. Doch die Aue ist randvoll, und die Bürger fahren weiterhin zu den Sanddeponien, um sich gefüllte Sandsäcke zu besorgen. Sichern am eigenen Haus, was noch zu sichern ist; denn immer wieder macht die Parole die Runde: "Der Auedeich bricht gleich!" Stärker werdender Regen am Sonntagnachmittag nährt schlimmste Befürchtungen. Beruhigende Dementi von Horneburgern, die die Leitstelle in Stade anrufen, folgen der ersten bedrohlichen Nachricht. Nervosität und Sorge um das Eigentum breiten sich unter den Hauseigentümern aus.

Für Lehrer Günter Weiß (49) ist nach außen hin etwas Ruhe eingekehrt. Aber vermutlich brodelt es in ihm; denn sein Reihenhaus ist in der Zeile am Anne-Frank-Weg am stärksten betroffen worden. "Der Schaden wird bestimmt einen fünfstelligen Betrag ausmachen." Das Wasser stand im Keller hoch bis zur Decke, so dass der volle Heizöltank ausgespült wurde. Auch sein Arbeitszimmer wurde überflutet. Zehn Zentimeter höher und das verölte Wasser hätte auch die Räume im Erdgeschoss erreicht. Inzwischen ist das Wasser abgepumpt, aber die Kellerwände sind vom Öl durchtränkt.

Als erstes werde ich den Keller dicht machen", sagt Weiß, "um den Ölgestank zu verringern." Er sitzt mit seiner Tochter Sina und ihrer Freundin Johanna Kröger, beide 16 Jahre alt, am Wohnzimmertisch. Im fast ausgeräumten Zimmer haben sie seit Freitag dort zum ersten Mal wieder gefrühstückt. Zum letzten Mal geduscht hat Günter Weiß vor vier Tagen.

Am Donnerstag hatte er seinen Vater in einem Reha-Zentrum bei Zeven besucht. Auf der Rückfahrt waren schon einige Straßen aufgrund des Hochwassers nicht mehr passierbar. Das hieß: Keller ausräumen, alles Wertvolle ins Erdgeschoss. Fenster und Türen verriegeln und abdichten. "Sandsäcke gab es noch nicht."Die Pumpe im Keller wurde auf Funktionstüchtigkeit überprüft.

Die Lage verschlimmerte sich; denn die Familie Weiß hat das Endreihenhaus im Anne-Franke-Weg. Ein Stückchen weiter steht eine Kfz-Werkstatthalle. Und das Wasser vom Vordamm und den Gärten sucht sich "diese hohle Gasse" zwischen Endreihenhaus und Halle. Es strömte unter großem Druck durch diese Enge.

"Im Keller war es wie in einem Erlebnisbad", erzählt Ingo Jahn (18), ein freiwilliger Helfer, "das Wasser spritzte und sprudelte durch alle Fenster- und Türritzen. Mit der Pumpe konnte der Wasserstand auf etwa 30 Zentimeter gehalten werden. Dann wurde in der Nacht zum Sonnabend aber der Strom abgestellt. "Nichts war mehr zu retten", so Weiß. Die wertvollen Dinge aus dem Erdgeschoss wurden in die erste Etage geschleppt. Dabei halfen Feuerwehrleute und Nachbarn. Auch mit Essen wurden die betroffene Familie versorgt, obwohl viele Nachbarn ebenfalls gegen das Hochwasser in ihren Häusern kämpften. Von einem Nachbarn, der ein Notstromaggregat laufen ließ, wurde eine Strippe herüber gezogen. "So hatten wir wenigstens etwas Licht, und Kaffee konnten wir kochen." Die Feuerwehrleute, die mit Atemschutzgeräten ins Haus kamen, wollten Weiß wegen der Öldämpfe sogar evakuieren.

Inzwischen sind Türen und Fenster geöffnet. Es wird auf trockenes Wetter gewartet. Frische Luft zieht durch.

Wie wird der Schaden reguliert? Von der Versicherung gibt es nur etwas, wenn man eine Zusatzversicherung hatte. "Und wer hat die schon. Feuerwehrleute sagen uns, dass der Staat etwas bezahlt, wenn Katastrophenalarm bestand. Und der ist ja ausgelöst worden", gibt es bei Weiß und den Nachbarn etwas Hoffnung.

Auf dem Marktkauf-Parkplatzt, vor dem "Forellenhof Wilke" und am Anne-Frank-Weg hat die Gemeinde jetzt Müllsammelplätze eingerichtet. Von 7 bis 18 Uhr ist ein Bürgertelefon geschaltet: 04163/ 807 917.

    erschienen am 22. Jul 2002 in Harburg

Landrat Armonat: Deich verstärken

Von Adolf Brockmann

Horneburg - Die Hochwasser-Katastrophe in Horneburg wird nach den Worten des Stader Landrats Gunter Armonat Konsequenzen haben. "Südlich der Bundesstraße 73 muß der Deich der Aue verstärkt und das Aue-Niederungsgebiet als Rückhalte-Polder genutzt werden", sagte Armonat am Sonntag. Damit werde die Überflutungsgefahr für Horneburg erheblich vermindert. Die Pläne für das Projekt seien längst fertig, bisher wegen fehlender Mittel aber nicht realisiert worden. "Die Flut wird nun für ein Umdenken sorgen", meint Armonat.

Gleichzeitig wehrte er sich gegen die Kritik von Bürgern über mangelnden Schutz gegen das Hochwasser in der betroffenen Gemeinde: "Gegen so ein Extrem-Ereignis, wie wir es jetzt erlebt haben, hätten auch mehr Regen-Rückhaltebecken nicht viel ausrichten können. Auch sie wären sehr schnell übergelaufen."

Der Wasserwirtschaftler verschaffte sich am Sonnabend aus der Luft einen Überblick über das Katastrophengebiet. Aus der Vogelperspektive werde das besondere Problem Horneburgs deutlich: "Die Gemeinde bildet für die Aue eine Art Nadelöhr. Die vier Brücken in der Gemeinde wirken bei Flut wie Staudämme." Damit seien die direkt angrenzenden Wohngebiete besonders gefährdet, wenn die Aue über die Ufer trete.

Landrat Armonat, Kreisbrandmeister Gerhard Moldenhauer, Helmut Hölscher, der Leiter des Katastrophenstabes, und Horneburgs Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms dankten den Helfern und Helferinnen von Feuerwehr, Technischem Hilfwerk, DLRG, Rotem Kreuz, Johannitern und auch Firmen. Zeitweise waren am Wochenden in dem Gebiet rund um Horneburg bis zu 1200 Hilfskräfte eingesetzt.

    erschienen am 22. Jul 2002 in Harburg

60 Wehren im Einsatz

Tostedt - Es gab auch im Harburger Raum etliche Einsätze wegen der starken Regenfälle. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Matthias Köhlbrandt waren es bis Sonnabend nachmittag rund 160 Hilfeleistungen. Schwerpunkte lagen in der Samtgemeinde Tostedt. In der Ortschaft Wümme standen mehrere Häuser unter Wasser. Ähnliche Probleme wurden auch aus dem Raum Hollenstedt und aus Rübke gemeldet. Dort wurde aus Sandsäcken ein provisorischer Deich gebaut. Probleme durch vollgelaufene Keller, vom Wasser eingeschlossene Tiere gab es auch in Maschen und Hörsten. 60 der 108 Freiwilligen Feuerwehren des Kreises waren im Fluteinsatz.

Wegen des Wetters hat der Kreisfeuerwehrverband Harburg das Zeltlager der Jugendwehren, das in Moisburg beginnen sollte, abgesagt. ckm

    erschienen am 22. Jul 2002 in Harburg

Die Wasserschlacht von Horneburg
Die Katastrophe hat die Menschen im Ort kalt erwischt. Ratlos räumen sie ihre Keller auf.

Von Ina Rometsch, Hannover

Horneburg - Auf den Stufen eines roten Klinkerhauses am Mühlenkamp in der Samtgemeinde Horneburg (Landkreis Stade) sitzt eine junge Frau und kämpft mit den Tränen. "Jetzt regnet es schon wieder", sagt sie verzweifelt. "Unser Keller läuft gerade zum zweiten Mal voll." Das Hochwasser hat ihre Straße besonders hart erwischt. Den Helfern stand das Wasser am Wochenende bis zur Brust.

In dem 5700-Seelen-Ort Horneburg (Landkreis Stade) war das Wasser aus Aue und Lühe über die Deiche geschwappt. Am Mühlenkamp waren die Bewohner in ihren Häusern eingeschlossen, so dass die DLRG einen Fährdienst mit Schlauchbooten einrichten musste, um die Menschen "aufs Festland" und zurück in ihre Heime zu bringen.

Gestern sind die Pegel dort so weit gesunken, dass der Fahrweg nur noch gummistiefelhoch überschwemmt ist. Die Zahl der Helfer im Ort konnte gestern von 1200 auf 300 heruntergefahren werden, der Katastrophenalarm wurde aufgehoben. Das achtköpfige Team der DLRG pumpt die Keller leer. Anwohner in etwas höher gelegenen Gebieten schleppen schon ihre verwüstete Habe ins Freie: einige überschwemmte Waschmaschinen, aufgeweichte Bücher, durchfeuchtete Regale, klatschnasse Teppiche. "Nichts war zu retten", klagt der Lehrer Günter Weiß (49) im Keller seines Endreihenhauses am Anne-Frank-Weg.

"Am Anfang hatten alle Betroffenen noch einen gesunden Galgenhumor", erzählt DLRG-Mann Andreas Witz (40). "Aber jetzt ist die Stimmung viel gedrückter. Jetzt wird allen klar, wie viele Wertsachen sie verloren haben."

Ein "Jahrhunderthochwasser" nennt Bürgermeisterin Hilke Harms (36) die Überschwemmung. "Davor kann man sich nicht schützen", glaubt sie. Besonders bitter: "Die wenigsten Menschen waren gegen so eine Katastrophe versichert." Wie ihnen geholfen werden kann, weiß sie noch nicht. Landrat Gunter Armonat hat angekündigt, den Hochwasserschutz zu verbessern: Südlich der Bundesstraße 73 soll der Aue-Deich verstärkt werden, die Aue-Niederung soll zum Rückhalte-Polder werden. Dieser Plan bestand schon länger, doch er wurde bisher aus Kostengründen nicht umgesetzt.

Auch in den nächsten Tagen werde der Pegelstand der Aue über sieben Meter bleiben, schätzen Experten - normal sind fünf Meter. Gestern verlagerte die Flut sich immer mehr Richtung Buxtehude. Dort schützten Helfer die Siedlung Dammhausen mit Hunderten Sandsäcken.

An den Horneburger Kalkwiesen ist das Wasser mittlerweile abgelaufen. "Aber wer weiß, ob es nicht weiterregnet, ", sagt Anwohner Peter Gürtler (63). Die Sandsäcke, die seinen Garten schützen, lässt er liegen: "Wir geben hier keine Entwarnung."

    erschienen am 22. Jul 2002 in Norddeutschland

Die Gefahr ist noch nicht gebannt
Die Flüsse sind randvoll. Der nächste Regen kommt bestimmt.

Hannover/Plön - Die Furcht vor neuen Fluten bleibt in Niedersachsen und im südlichen Schleswig-Holstein trotz vielfach leicht sinkender Wasserstände bestehen.

"Die Gefahr ist noch nicht gebannt", hieß es gestern Abend bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Niedersachsen. "Die Flüsse sind randvoll, jeder Regen kann Schaden anrichten." Der Wasserstand der Aller stieg im Raum Celle immer noch, auch der obere Lauf der Leine bei Northeim schwoll wieder an. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor weiteren kräftigen Schauern.

Krisenregionen bleiben vor allem Stade, Rotenburg/Wümme, Hannover, Braunschweig und der Harz. In Hattdorf (Landkreis Osterode) wurde eine Dreijährige beim Spielen von dem über die Ufer getretenen Fluss Sieber mitgerissen und 15 Minuten später auf einer Flussinsel gefunden. Sie schwebt in Lebensgefahr.

In der Haseldorfer Marsch standen weiter viele Felder unter Wasser. Hunderte Einsatzkräfte pumpten gestern Keller leer und sicherten Obstplantagen. Starker Regen und Gewitter ließen die Furcht vor neuem Hochwasser wachsen. Der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg spricht vom größten Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren in dieser Region seit der Schneekatastrophe 1977.

In den Landkreisen Dithmarschen, Segeberg und Steinburg entspannte die Lage sich. In Schönberg (Kreis Plön) hatten die Wassermassen den Zeltplatz "Grasbeek" in einen großen See verwandelt. Camper versuchten mit Schlauchbooten, ihr Hab und Gut zu retten. Autos standen bis zu den Fenstern im Wasser. HA

    erschienen am 22. Jul 2002 in Norddeutschland

Hochwasser-Helfer
Menschlich gesehen

Wasser, findet der DLRG-Retter Andreas W i t z (40), ist eigentlich eine schöne Sache. Schon als Junge schipperte er mit dem Boot auf der Elbe herum. Am zurückliegenden Wochenende aber hatte der freiwillige Helfer bei der Überschwemmung in Horneburg mit mehr Wasser zu tun, als ihm lieb war. Am Sonnabend schob er den ganzen Tag Schlauchboote durch eine überflutete Straße, um die Anwohner aufs Trockene zu bringen.

"Es macht mir Spaß, Menschen zu helfen", sagt der Helfer im Dauereinsatz, "auch wenn es hier eher traurig stimmt, die ganzen kaputten Sachen in den voll gelaufenen Kellern zu sehen." Der Mann, der auf Finkenwerder als Materialprüfer arbeitet, fühlt sich den Flutopfern besonders nahe: "Ich habe noch vor einigen Jahren nur ein paar Häuser weiter gewohnt." Mittlerweile ist er mit Frau Katharina und den Kindern Lucy (2) und Lennart (4) in den Ortsteil Nottensdorf umgezogen. "Der liegt 35 Meter hoch - hochwassersicher", betont er glücklich.

Auf seiner Wunschliste steht zurzeit Ausschlafen ganz weit oben. Andreas Witz und seine Kollegen haben sich während der letzten Tage nur vier Stunden Schlaf pro Nacht gegönnt. Wenn der letzte Keller endlich leer gepumpt ist, kann der Mann im knallroten Overall sich auch seinen anderen sehnlichen Wunsch erfüllen: "Ich will endlich wieder mal mit meinen Kindern spielen." iro

erschienen am 22. Jul 2002 in Norddeutschland

Mit Sandsäcken gegen die Fluten

Winsen/Stade (hh). Überflutete Straßen, abgesoffene Keller, geborstene Deiche: Das Unwetter vom Donnerstag hat Millionenschäden verursacht und eine ganze Region "ertränkt". Bis in den Sonnabendmorgen hinein waren allein im Landkreis Harburg rund 700 Retter der Freiwilligen Feuerwehren im pausenlosen Dauereinsatz, leisteten mehr als 240 Mal Hilfe. Schwerpunkte waren in der Samtgemeinde Tostedt sowie in Seevetal und in der Samtgemeinde Hollenstedt.

Am Freitag und in der Nacht zum Sonnabend waren es nicht mehr die Regengüsse, sondern die durch die schweren Schauer angeschwollenen Flüsse, die den Wehren Probleme machten. In Maschen glich etwa die Seeveniederung einer Seenplatte, in Hörsten stand das Wasser bis zu anderthalb Meter hoch auf den Feldern. Im Naturschutzgebiet Junkernfeld wurden so genannte Sommerdeiche überflutet. Zum Teil mussten Kühe und Pferde von Weiden gerettet werden.

Im Wistedter Ortsteil Wümme war der Fluss Wümme über die Ufer getreten und hatte mehrere Häuser geflutet. Mit mehreren 1000 Sandsäcken wurden provisorische Deiche errichtet, die ein weiteres Vordringen des Wassers verhinderten. Katastrophenalarm wurde im Nachbarkreis Stade für die Region Horneburg/Harsefeld ausgelöst. In Horneburg war am Freitagabend ein etwa 150 Meter langes Teilstück des Auedeichs gebrochen. Große Teile des Ortes wurden überflutet. Erst Sonnabendmorgen gegen 7 Uhr hatte sich die Lage entspannt.

    (HAN, 22.07.2002)

    Unwetter, Gewitter und kein Ende

Stade (NI) - Selbst die ältesten Feuerwehrleute staunen: "So einen Sommer hatten wir noch nie." Unwetter, Gewitter, Sturm und Hagel - und jedesmal ist die Feuerwehr gefordert. Die Meldung über das eine Unwetter ist noch nicht geschrieben, da bricht schon das nächste herein.

In den Hochwassergebieten in Norddeutschland ist von Entwarnung nur teilweise die Rede. In Horneburg, in der vor dem Wochenende hochwasserbedingter Katastrophenalarm ausgelöst wurde, stieg der Pegel am Montag auf 7,15 Meter. Und immer wieder gibt es Regen. Rund 200 Kräfte von Feuerwehr, THW und DLRG sind weiterhin im Einsatz. Wasser muss aus den überfluteten Gebieten in Aue und Lühe gepumpt werden. Hochwasser-Einsätze sind auch nach wie vor in Wolfsburg, Braunschweig, Rotenburg/Wümme und Soltau im Gange. Im Kreis Verden mussten am Wochenende mehrere Kühe von
ihren überfluteten Wiesen gerettet werden, nachdem das Wasser bedrohlich angestiegen war.

Kräftige Gewitter sorgten bis in die Nacht zum Montag auch anderenorts für Arbeit. In Donaustetten bei Ulm schlug der Blitz neben einem Waldgrillplatz ein, sieben Menschen wurden dabei verletzt, eine Frau schwer.

In Bayern erlebten Schwaben und Niederbayern heftige Folgen. Bei Straubing wurde ein Festzelt zerstört, dabei wurden zwei Menschen verletzt. Die Polizei meldete in der Region rund 100 umgestürzte Bäume. In Dillingen mussten mehrere Keller ausgepumpt werden. 

Die Meteorologen vermuten gegen Monatsende Besserung. Dann soll das Schmuddel- und Katastrophenwetter durch Wärme und Sonnenschein verdrängt werden.

Info: Redaktion Feuerwehr-Magazin, Mail: Online-Redaktion


Dienstag 23.07.2002

Aufräumarbeiten in Harsefeld
Nachbarn halfen spontan - Versicherung zahlt nicht

Am Donnerstag war dies noch Frieda Grabautzkes Wohnzimmer. Inge Krämer (r.) und Uwe Krämer stehen ihr bei. Foto: Havemeister

Harsefeld (kha). Am Wiesenweg in Harsefeld herrscht Ausnahmezustand. Frieda Grabautzke (81) und ihre Tochter Inge Krämer (61) sitzen am Küchentisch in der ersten Etage. Hinter ihnen liegt ein verheerendes Wochenende. Fünf Stunden Schlaf gab es höchstens, alles andere war Arbeit – und Fassungslosigkeit. Immer wieder stützt die Tochter den Kopf in die Hände, ihre Miene ist versteinert: „Was hier los ist, kann sich keiner vorstellen.“ Die gesamte untere Etage ist dahin.
„Ich kann nicht mehr“, sagt Grabautzke. „Mein Leben lang hab ich dafür gearbeitet, jetzt kommt alles auf den Müll.“ Stubenmöbel, Kleiderschränke, das Bett, die Couch und die gesamte Küche. Ein paar Elektrogeräte und Kleidung sind geblieben. Drei Zimmer hatten Dielenfußboden, das Holz ist auf dem Müll gelandet. Ein neuer Estrich ist nötig.
Alles, was jetzt noch in der Wohnung steht, sind vier Gasgebläse, um Wände und Boden zu trocken. Die Öfen hat Enkelsohn Uwe Krämer mitgebracht. Doch nach dem Schock kommt nun die Sorge. Wie hoch der Schaden ist, hat Inge Krämer noch nicht im Blick. Von der Versicherung wird es kein Geld geben. Deshalb hoffen sie nun auf finanzielle Hilfe der Gemeinde.
Spontane Hilfe haben die Frauen während der Katastrophe erfahren. Freunde und Verwandte waren rund um die Uhr im Einsatz, die Nachbarn haben noch ein paar Möbel bei sich untergestellt und Kaffee gekocht für die Nacht.

 
„Wir hatten einfach nicht genug Zeit“
Die Horneburger Katrin Hanis und Tino Borduser wurden vom Wasser überrascht
Das Wasser ist weg, der Schaden ist geblieben: Katrin Hanis und Tino Borduser in ihrem Keller. Foto: Dibbern

Horneburg Die Zimmer sind alle leer geräumt, auf dem Fußboden ist nur noch Geröll. In das Haus von Katrin Hanis (31) und Tino Borduser (34) in Horneburg flossen am vergangenen Freitag große Mengen von Wasser.
„Wir wurden gar nicht vor dem Hochwasser gewarnt, und als wir es dann bemerkten, war es schon zu spät“, beklagt Katrin Hanis. Am späten Nachmittag sei das Wasser in den Keller geflossen „Dann floss es von unten hoch in den Wohnraum, und später kam es sogar durch Fenster und Türen.“
Die Einrichtung des Büroraums im Keller konnten die beiden nicht mehr in Sicherheit bringen. Nachdem die Feuerwehr die 70000 Liter Wasser abgepumpt hatte, mussten Computer, Fernseher und die Garnitur entsorgt werden. Ähnlich sah es auch im Erdgeschoss aus. Türen, Wände und Treppen sind beschädigt. Die Terrasse wurde unterspült, so dass der Steinboden weggebrochen ist.
Im Radio habe sie zufällig gehört, dass in der Grundschule Horneburg Opfer des Wasserschadens unterkommen könnten. „Aber da wir einen Hund haben, durften wir nicht rein. Deswegen haben wir uns ein Zimmer genommen. Evakuiert wurden wir nicht.“
Freundliche Nachbarn halfen Katrin Hanis und Tino Borduser dabei, Sandsäcke vor die Haustür und die Garage zu räumen und boten an, Lebensmittel vorbeizubringen.
Da die Opfer nicht gegen den Wasserschaden versichert waren, müssen sie die Kosten von etwa 25000 Euro selber tragen.

 

Flut-Opfer hoffen nun auf Hilfe
Bürgermeister Hans-Jürgen Detje fordert Geld von Bund und Land

Kreis Stade (bv/ccs). Nach der großen Flut hoffen die Opfer auf Hilfe – vor allem in Horneburg. Fast jeder sechste der rund 5650 Einwohner ist dort von der Überschwemmung betroffen. Bürgermeister Hans-Jürgen Detje hofft, dass Land und Bund den Menschen in seiner Gemeinde in der Not helfen. Und die Gefahr ist nicht vorbei. Der Krisenstab beim Landkreis Stade hat am Montag noch keine Entwarnung gegeben.

Nach neuesten Schätzungen beträgt der Schaden allein in Horneburg etwa sechs Millionen Euro. „Rund 300 Häuser wurden beschädigt“, so Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms. „Wir brauchen einen Hilfsfonds“, sagt Detje –  viele Familien seien finanziell am Ende und verzweifelt. Dies zeigten auch viele Gespräche am Bürgertelefon.
Unterdessen fielen in Horneburg wie in anderen betroffenen Ortschaften wie Harsefeld und Drochtersen die Pegelstände. „Die Lage entspannt sich“, sagt Horneburgs Gemeindebrandmeister Dieter Kintopf. Am Montag waren in der am schwersten vom Regen gebeutelten Kommune noch 170 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und DLRG im Einsatz.
Allein 130000 Sandsäcke wurden entlang der Aue verbaut, der Deich teilweise um einen Meter erhöht, so Rainer Bohmbach von der DLRG. Die Helfer bleiben in Bereitschaft und helfen beim Pumpen und Aufräumen. Der Katastrophenvoralarm in Horneburg dauert an, so der Krisenstab.

Jetzt ist der Hornebuger Vordamm wieder frei – am Freitag wurde die Straße überflutet. Landwirte transportierten Sandsäcke. Foto: Vasel

Mühlenteich ist nicht schuld
Anwohner der Estetalstraße vermuten Versandung als Ursache für überschwemmte Gärten

Land unter: Wie bei vielen Anwohnern in der Buxtehuder Estetalstraße stand auch bei Hugo Peters das Wasser im Garten. Foto: Chwialkowski

Buxtehude (chw). Streit um den Mühlenteich: Anwohner der Estetalstraße in Buxtehude sehen die Versandung des Teiches als Ursache für die Überschwemmungen. Die Buxtehuder Stadtentwässerung verneint das.

„So geht das doch nicht!“ Hugo Peters ist sauer. Am Montag stand sein Garten zwar nicht mehr unter Wasser, aber der Dreck war liegen geblieben. Nur durch ständiges Pumpen hatte er verhindern können, dass auch sein Keller mit Wasser volllief. Für die Überschwemmung macht der Hausbesitzer in der Estetalstraße die Versandung des Mühlenteichs verantwortlich. Seine Nachbarn, die zumeist noch mehr unter den Überschwemmungen zu leiden hatten, beklagen auch, dass der Mühlenteich „total versandet“ ist.
Dr. Harald Stechmann sieht das nicht so. Der Abteilungsleiter der Stadtentwässerung: Die oberste Funktion des Mühlenteichs sei nicht, Regen zurückzuhalten, sondern Sand aufzufangen. Selbst wenn der Mühlenteich sehr tief ausgebaggert gewesen wäre, hätte er die Wassermengen nur maximal 15 Minuten zurückhalten können, sagt Stechmann.
Für die Überschwemmungen in den Gärten und Kellern der Anwohner der Estetalstraße sei der Mühlenteich nicht verantwortlich, da er unterhalb der Grundstücke liege.

Höchste Priorität für Hochwasserschutz
Bezirksregierung Lüneburg: Finanzmittel für das Regenrückhaltebecken in Horneburg vorhanden

Kreis Stade (bv). Es muss offensichtlich erst zu einer Katastrophe kommen, bevor Politik und Verwaltung handeln: Der Landkreis Stade und der Flecken Horneburg wollen jetzt das Projekt „Hochwasserfreie Durchführung der Aue durch Horneburg“ auf den Weg bringen.

Der Horneburger Bürgermeister Hans-Jürgen Detje (CDU) sagt: „Der Hochwasserschutz darf nicht an der Frage der Unterhaltungskosten eines Regenrückhaltebeckens scheitern.“ Detje fordert, dass der notwendige Wasser- und Bodenverband zügig gegründet wird. Und der soll das geplante Rückhaltebecken südlich der B 73 bauen und unterhalten.
Die Funktion: Das Becken staut das Wasser aus Richtung Harsefeld auf. Gedrosselt fließt es durch Horneburg. Im günstigsten Fall verhindert dies, dass in Horneburg die Aue überläuft.
„Die Finanzierungsmittel würden zur Verfügung stehen“, sagt Hilke Mammen von der Bezirksregierung. Die Crux: Solange es den Verband nicht gibt, kann das Geld nicht abgerufen werden. Schließlich müsse vor einer Bewilligung die Frage der Bauträgerschaft und der Unterhaltung geklärt sein. Dann könne ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet und über die künftige Deichhöhe entschieden werden. Der Flecken will, dass dieser erhöht wird. Und fordert neben einem festen Überlaufpolder auch die Beseitigung des Engpasses an der Friedensbrücke.

Hilfe für Flut-Opfer
Samtgemeinden Horneburg und Harsefeld sammeln

Kreis Stade (uk). Die Schäden in den überfluteten Häusern an der Aue in Horneburg und Harsefeld gehen in die Millionen. Und die Versicherung zahlt nur in den wenigsten Fällen.
Deshalb ruft das TAGEBLATT gemeinsam mit den Samtgemeinden Harsefeld und Horneburg zu einer Hilfsaktion auf. Es soll möglichst schnell dort geholfen werden, wo die Not am größten ist. Die Aktion, die von den Räten und den Verwaltungen initiiert wurde, wird vom TAGEBLATT begleitet.
Für die Geschädigten in Horneburg hat die Gemeinde zwei Konten eingerichtet. Wer den Opfern in Horneburg helfen will, kann dies mit einer Überweisung auf das Konto 400 366 bei der Kreissparkasse Horneburg (BLZ 241 511 16) oder auf das Konto 684 309 00 bei der Volksbank Geest e.G. (BLZ 200 697 82) tun. Die Samtgemeinde Harsefeld bittet um Spenden auf die Konten: 200 535 bei der Kreissparkasse Harsefeld (BLZ 241 511 16), Konto-Nummer 20 397 00 bei der Volksbank Geest e.G. (BLZ 200 697 82) und 53401-203 bei der Postbank Hamburg (BLZ 20010020). Für alle Überweisungen sollte das Stichwort „Hochwasser“ angegeben werden.

Wer zahlt den höheren Deich?

Horneburg - War die Überschwemmung von Horneburg zu verhindern? Stades Landrat Gunther Armonat sagt Nein. Es habe in eineinhalb Tagen 150 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. Armonat: "Das ist eine Dimension, die bisher nicht bekannt war. Dagegen hätten wir auch nicht vorbeugen können." Der Kreis hat seit 1985 fertige Pläne in der Schublade, wie Horneburg gegen Hochwasser besser geschützt werden kann. Dazu gehören die Erhöhung der Deiche an der Aue und der Bau eines Rückhaltebeckens. Die Umsetzung scheiterte bisher an der Frage, wer die nötigen fünf bis zehn Millionen Euro bezahlen soll.

Gunther Armonat hofft, dass das Projekt jetzt als Küstenschutz anerkannt wird. Dann würden Bund und Land die Finanzierung tragen. Wenn das nicht passiert, müssen das Land Niedersachsen, der Kreis Stade und Horneburg das Geld aufbringen. Das ist bei der derzeitigen finanziellen Lage der Kommunen aber kaum möglich.

Gestern gab es auch aus der Politik erste kritische Stimmen. Richard Wilke, Ex-Landrat und derzeit CDU-Kreistagsfraktionschef und Ratsvorsitzender der Samtgemeinde Horneburg, hat seinen Fischaufzucht- und Verkaufsbetrieb in der Nähe des Mühlenkamp. Er war die ganze Zeit vor Ort. "Die Organisation hätte besser sein können", so Wilke. Erst sei kein Sand da gewesen, dann keine Säcke. Außerdem habe man einigen Leuten den Sand direkt vor die Garage gekippt, so dass Autos vor dem steigenden Wasser nicht gerettet werden konnten.

Die Lage verschlimmert hätte auch das Naturschutzgebiet an der Aue. Die Wiese entlang des Flusses werden nicht mehr gepflegt und würden so einen schnelleren Abfluss des Wassers verhindern. wp

    erschienen am 23. Jul 2002 in Harburg

Die Opfer bitten um Hilfe vom Staat
Hochwasser

Horneburg - Nach den Überschwemmungen in Norddeutschland hoffen betroffene Bürger und Gemeinden auf Soforthilfe vom Staat.

Neun Gemeinden im Kreis Ostholstein forderten von Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) einen Sonderfonds. Weder die Opfer noch die Gemeinden würden allein mit den Schäden fertig.

Der Bürgermeister von Horneburg (Landkreis Stade), Hans-Jürgen Detje (CDU), appellierte an Bund und Land, einen Hilfsfonds einzurichten. Jeder Fünfte der 5000 Horneburger sei vom Hochwasser geschädigt, und die meisten seien dagegen nicht versichert. 300 Häuser standen unter Wasser. Die Gemeinde selbst hat ein Spendenkonto für betroffene Familien eingerichtet: Nr. 400 366 bei der Kreissparkasse in Horneburg, BLZ 241 511 16. Am dringendsten würden jetzt Waschmaschinen benötigt.

Vorbeugung sei nicht möglich gewesen, betonte Stades Landrat Gunter Armonat. Dafür sei die Flutwelle zu kräftig gewesen. Armonat sieht Chancen, dass das Land Niedersachsen nun eine hochwassersichere Führung der Aue durch Horneburg finanziert.

Der Aue-Pegel ging gestern immer noch nicht zurück. Mit einer Spezialpumpe aus Holland sollen heute 4000 Kubikmeter pro Stunde über das Lühe-Sperrwerk in die Elbe geleitet werden. HA

erschienen am 23. Jul 2002 in Norddeutschland

Pumpen volle Kraft voraus

Rübke/Horneburg (sl/lni). "Seit Donnerstag sind wir hier in Rübke im Dauereinsatz", sagt Neu Wulmstorfs stellvertretender Gemeindebrandmeister Uwe Schievink. Zu Spitzenzeiten kämpften rund 100 Feuerwehrleute gegen die Wassermassen. Die Wasserförderschnecken, die das Wasser seit Sonntagmittag in die Landwettern in Rübke pumpen, brachten Montagnachmittag bereits ein deutliche Entlastung.

Nach der großen Überschwemmung in der niedersächsischen Gemeinde Horneburg bei Stade hoffen die Flutgeschädigten auf Finanzhilfe der öffentlichen Hand. "Die meisten sind nicht gegen Schäden durch die Überflutung versichert" sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Detje (CDU). Der Gesamtschaden betrage nach jüngsten Schätzungen sechs Millionen Euro. "Wir appellieren an den Bund, das Land und die Bezirksregierung, einen Hilfsfond zu bilden." Die Hochwasser-Lage hat sich inzwischen leicht entspannt.

Nach Angaben der Gemeinde ist in Horneburg fast jeder fünfte der rund 5000 Einwohner direkt von Überschwemmungen betroffen. Die Gemeinde selbst hat bereits ein Spendenkonto für betroffene Familien eingerichtet. "In den Anrufen am Bürgertelefon spüren wir eine große Verzweiflung", sagte Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms. (HAN, 23.07.2002)  

Mittwoch 24.07.2002

Gabriel verspricht Soforthilfe von einer Million Euro
Per Hubschrauber ins Hochwasser-Gebiet: Niedersächsischer Ministerpräsident am Dienstagabend bei den Horneburgern

Kreis Stade (bv/kk). Der Niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel hat sich am Dienstagabend in Horneburg über die Folgen der Flut-Katastrophe informiert. Und der Politiker kam nicht mit leeren Händen. Das Land Niedersachsen stellt eine Million Euro als Soforthilfe zur Verfügung – für Hochwasserschutz und für Flutopfer.

Der Ministerpräsident brach seinen Urlaub in Spanien ab, um sich ein Bild von den Überschwemmungs-Folgen zu machen. „Wir müssen den Menschen in der ärgsten Not helfen“, so Gabriel bereits auf dem Hubschrauberlandeplatz der Firma Schulz in Bliedersdorf.
Gabriel kündigte an, dass das Land 500000 Euro für Erhöhung und Sanierung des Aue/Lühe-Deiches in Horneburg zur Verfügung stellen wird. Diese Mittel wird das Umweltministerium sofort locker machen. Zudem soll nach dem nötigen Planfeststellungsverfahren Geld für Regenrückhaltebecken und Überflutungsflächen fließen.
Außerdem soll es für die Flut-Opfer – Privatleute und Betriebe – einen Härtefonds geben. 500000 Euro hat das Kabinett genehmigt. Damit will das Land zwar nicht allein Horneburgern finanziell unter die Arme greifen, sondern landesweit die schlimmsten Folgen der Katastrophe lindern. Aber schwerpunktmäßig werden Menschen aus dem Kreis Stade profitieren. Wer Geld bekommt und wie viel, das sollen Bezirksregierung, Landkreis und Kommunen entscheiden. Außerdem sollen Betroffene steuerliche Vorteile genießen. Landwirte können zudem mit EU-Mitteln und zinsgünstigen Krediten rechnen.

120000 Säcke und viel Kaffee
Eine erste Bilanz der vergangenen Katastrophen-Tage im Landkreis Stade

Essen und Trinken satt: Das DRK versorgte mit den Johannitern die Helfer während des Katastrophen-Einsatzes. Foto: Kordländer

Kreis Stade (sbi). Das Schlimmste ist ausgestanden. Die Wasserstände an Aue und – in deren weiterem Verlauf – Lühe sinken, der Regen lässt nach. Am Dienstag waren nur noch 50 Feuerwehrleute im Einsatz. An den schlimmsten Tagen, Donnerstag und Freitag, waren es zeitweise 1400 Männer und Frauen aller verfügbaren Hilfsorganisationen.

Die Katastrophe kam über Nacht. Doch bereits am Mittwochnachmittag legte sich die Stirn von Kreisbrandmeister Gerhard Moldenhauer in Sorgenfalten: Ab sechs Uhr morgens am Donnerstag war er denn auch im Einsatz; nahezu rund um die Uhr. Und so erging es noch vielen anderen Helfern.
Am Donnerstagvormittag gab es erste Probleme: „Die ersten überfluteten Keller wurden gemeldet, und das Regenrückhaltebecken in Hahle brach“, berichtet Moldenhauer. Da rief Landrat Gunter Armonat bereits den Katastrophen-Voralarm aus. Und damit setzte der Krisenstab in der Einsatzleitstelle in Wiepenkathen eine unglaubliche Logistik in Gang: Hilfe aus den Nachbarkreisen angefordert, THW und DLRG eingespannt, DRK und Johanniter mit der Versorgung beauftragt.
Insgesamt lieferten Johanniter und Rotes Kreuz 6000 Mahlzeiten aus. Zehn bis zwölf ehrenamtliche Helfer schmierten in der Johanniter-Küche binnen zweier Stunden 2000 Brötchen, verwursteten am Sonnabend 120 Kilo Wurst und 40 Kilo Käse für einen Salat, 1800 Liter Kaffee schenkten sie während des Gesamteinsatzes aus.
Wer konnte, packte vor Ort mit an. Nachbarn brachten Kaffee und Kuchen und stellten ihre Toiletten zur Verfügung, berichtet Moldenhauer. Baufirmen organisierten das Abfüllen der insgesamt 120000 Sandsäcke.
Die Aue trat Freitagnachmittag in Horneburg über die Ufer. Aus Nordrhein-Westfalen forderte das Technische Hilfswerk (THW) drei zusätzliche Pumpengruppen an, „nach sechs Stunden waren die bereits verfügbar“, so Moldenhauer. Zeitgleich gingen im Kreis die Straßenschilder aus, um überflutete Wege abzusperren.

Plantagen in Gefahr
Altes Land: Obstbaum-Plantagen sind überflutet
Wilfried Schliecker kann nur in Gummistiefeln seine Obst-Plantagen aufsuchen: „Jetzt stehen Existenzen auf dem Spiel.“ Foto: Dibbern

Altes Land (nd/bv). Die Obstbäume im Alten Land sind in Gefahr: Viele Plantagen stehen unter Wasser. Stark gebeutelt sind zum Beispiel Bauern in Guderhandviertel. Dr. Peter Quast vom Obstbauversuchs- und Beratungszentrum in Jork warnt: „Das Wasser muss zügig abgepumpt werden, ansonsten drohen Schäden an Bäumen und Früchten.“

Bis zu den Knien stehen die Obstbauern Wilfried Schliecker, Johann Dammann und Michael Schomaker im Wasser. Wie auch rund 40 weitere Betriebe in Guderhandviertel leiden sie unter den Folgen der Überschwemmung. Seit Freitag versuchen die Altländer, das Wasser von den Obstplantagen zu pumpen. Bisher ohne Erfolg. Der Pegel sank nur um wenige Zentimeter.
Das Dilemma: Wasser aus Horneburg strömt weiter auf ihre Flächen. Und das Schöpfwerk in Guderhandviertel ist wegen Reparatur außer Betrieb. In ihrer Not helfen sie sich, unterstützt vom THW und Feuerwehr, mit den eigenen Frostschutz-Pumpen. „Jetzt stehen Existenzen auf dem Spiel“, warnt Schliecker, Verbandsvorsteher des Vorschleusenverbands Guderhandviertel.

Keller in der Bogenstraße sind immer nass
Neukloster: Grundwasser im Bullenbruch ist gestiegen – Hausbewohner begehren auf

 

Neukloster (chw). Heiko Winter fordert im Namen der „Interessengemeinschaft Bogenstraße Neukloster“, dass etwas dagegen unternommen wird, dass die Keller der Bogenstraßen-Bewohner ständig feucht werden.

An wen er sich noch wenden soll, wisse er mittlerweile nicht mehr, sagt Winter. Entweder sei er mit Fachbegriffen konfrontiert oder mit den Worten „nicht zuständig“ an eine andere Stelle verwiesen worden.
Herausgefunden habe er lediglich, dass das Grundwasser im Bullenbruch gestiegen ist.
Ein weiteres Problem sei die mangelhafte Reinigung der Gräben. Dadurch werde das Wasser nicht richtig abgezogen. Nicht nur bei solch starken Regenfällen wie in den vergangenen Tagen bekämen die Bogenstraßen-Bewohner feuchte Keller, ihre Gartengelände seien immer zu feucht, hat Winter seit rund vier Jahren festgestellt.
Neben der Gräbenreinigung fordert die Interessengemeinschaft mehr Pumpen. Ferner fragt die Interessengemeinschaft Bogenstraße: „Ist es ein Dauerzustand, dass bei stärkerem Regen hier alles untergeht?“ Ein Dauerzustand solle das nicht werden, sagt Martin Hoyer, Verbandsvorsteher beim Unterhaltungsverband Altes Land.
Und jetzt, „nach dem Chaos“, sei der Zeitpunkt gekommen, über Konsequenzen nachzudenken. Der Landkreis als untere Wasserbehörde sowie Gemeinden und Verbände müssten weitere Rückhaltebecken bauen und größere Pumpwerke installieren.
Ein weiteres Problem stellten die Gräben dar, so Hoyer. Der Unterhaltungsverband könne sie aufgrund von Naturschutzauflagen nicht kontinuierlich so unterhalten, dass das Regenwasser ohne Schäden für die Bebauung abfließen kann.

Angst vor Regenfällen bleibt

Die Gefahr in den Hochwassergebieten Niedersachsens (wie in den Schwingesiedlungen bei Stade, Foto) ist trotz sinkender Pegelstände nicht gebannt. Die Flüsse sind nach wie vor randvoll. In der am stärksten betroffenen Gemeinde Horneburg wurde der Katastrophen-Alarm zwar aufgehoben – doch nun ist Aufräumen angesagt und Zeit, um Fragen zu stellen; hätte man im Landkreis Stade besser gegen die Naturgewalt gewappnet sein können?

Dreimal „abgesoffen“ -schwer zu versichern

Ohne „Elementarversicherung“ haben Betroffene schlechte Karten

von Horst Reinecke

Nach dem Wasser kommt für viele Betroffene das bittere Erwachen: Was bei den Überflutungen der vergangenen Woche in „abgesoffenen“ Kellern oder Wohnungen zu Schaden kam oder zerstört wurde, reißt in den meisten Fällen unvorhergesehene Löcher in die Haushaltskassen. Die entstandenen Schäden werden in aller Regel nur dann von den Versicherungen bezahlt, wenn die Betroffenen eine sogenannte „Elementarversicherung“ abgeschlossen hatten. Eine normale Hausrat- oder Gebäudeversicherung deckt diese Form von „Wasserschäden“ nicht ab. Noch unangenehmer als die aktuell entstandenen Schäden können sich für Bewohner „potentieller Überflutungsgebiete“ die versicherungstechnischen Folgen gestalten: Wer jetzt einen größeren Überschwemmungsschaden hatte und sich für die Zukunft dagegen versichern möchte, muß tiefer in die Tasche greifen: Die Versicherungen fragen nach ent-sprechenden Schadensfällen – und sind beim gewünschten Abschluß von Elementarversicherungen bei Kunden mit erwiesenermaßen erhöhtem Risiko zumindest vorsichtig, wenn nicht gar völlig zugeknöpft. 

In solchen Fällen werden höhere Prämien und/oder ein höherer Eigenanteil fällig. Es kann auch sein, daß zusätzliche bauliche Schutzmaßnahmen verlangt werden, die der Versicherungskunde selber finanzieren muß. Bei Kunden, die bereits mehrere „Vorschäden“ hatten, werden Vertragsabschlüsse auch schon mal rundweg abgelehnt. Auffällig: Vielen Versicherungsagenturen vor Ort ist das Thema „zu heiß“, um sich dazu öffentlich zu äußern. Bei der VGH-Zentrale in Hannover findet sich jedoch mit Olaf Leitzau, dem Abteilungsdirektor für private Sachversicherungen, ein Experte, der zur Vorschaden-Problematik Auskunft gibt: „Insgesamt gibt es keine einheitlichen Regelungen.“ Die VHG frage Vorschäden in den vergangenen zehn Jahren ab. Wenn es mehrere Schäden in diesem Zeitraum gegeben habe, „ist der nächste Schaden schon vorprogrammiert“. Bei drei solcher Schadensfälle werde deshalb in der Regel der Abschluß einer neuen Elementarversicherung abgeleht. Diese Versicherungsform, die für ein Einfamilienhaus etwa 50 Euro pro Jahr kostet, kam erst Ende der 90er Jahre – nach dem Oderhochwasser – auf den Markt. Die Resonanz war bisher gering. Beispiel VGH: Von einer halben Million angeschriebener Kunden reagierten nur knapp 10.000. Ein Trost für alle, die nach den starken Regenfällen die Hilfe der Feuerwehren in Anspruch nehmen mußten, um überflutete Räume vom Wasser zu befreien: Derartige Hilfeleistungen „bei Notständen durch Naturereignisse“ – dazu gehören auch starke Regenfälle – sind nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz unentgeltlich.

Ganz knapp davongekommen

Das Hochwasser in Buxtehude: Auch hier standen Häuser und Gärten unter Wasser

Der Garten im Genslerweg ist zum See geworden: Die Architekten Ulf Schwarzenberg (links) und Dirk Warneke verließen das Büro, organisierten Sand und schaufelten ihn ums Haus  

ts. BUXTEHUDE. Das Hochwasser in der Estestadt: Entwarnung gab es bis Redaktionsschluß immer noch nicht. „Der Pegel in Dammhausen steigt noch. Obwohl wir pumpen wie die Irren“, berichtet Buxtehudes Ordnungsamtsleiter Uwe Pieper. Freitag nachmittag: Schlimm erwischt hat es die Anlieger im Genslerweg. Wasser auf der Straße, Gärten haben sich in Seen verwandelt. Hellmuth Schlörmann ist zukünftiger Wohnungsbesitzerin einem Neubau, will demnächst einziehen. Er hilft Sand aufzuschütten, das Haus abzudichten. Er bleibt locker: „Das sind Naturgewalten. Das muß man hinnehmen.“ Auf dem Nachbargrundstück schaufeln Architekten des Büros Böhme und Schwarzenberg. Eigentlich hätten sie am PC sitzen, Objekte planen sollen. Jetzt stehen sie mit Gummistiefeln im Wasser, schaufeln Sandwälle: „Wir haben auch Auftragsgespräche gecancelt“, erzählt Dirk Warneke. In die Markkauf-Tiefgarage ist auch Wasser eingedrungen. Eine Kundin spendiert spontan Butter, Aufschnitt und Kaffee für die Feuerwehr und andere freiwillige Helfer. Die Brötchen schmeißt die 

Hellmuth Schlörmann wollte eigentlich bald einziehen – jetzt schüttet er Sand zum Schutz des Hauses auf: „Das ist eben Naturgewalt“ Fotos: ts                                      

Marktkauf-Geschäftsleitung. Immer wieder hört man das Martinshorn. Notfälle auf Leben und Tod sind das aber nicht. Die Feuerwehr nutzt das Sonderrecht, um schneller durch den Berufsverkehr zu kommen. Gerd Meyer von der Feuerwehr steht an der Gildehaus-Brücke, überprüft ständig den Wasserpegel: 

Gerd Meyer von der FF Buxtehude hat ein waches Auge auf den Wasserstand in der Este: „Zehn Zentimeter höher, und es wäre brutaler gekommen“  

„Zehn Zentimeter höher und es wäre brutaler gekommen. Wir sind mit einem dunkelblauem Auge davongekommen“, sagt der 112-Helfer, der jetzt eigentlich Freizeit hätte. Viele Menschen sind neugierig, gehen zum Hafen und zur Fleth-Schleuse, wo das Wasser ungewohnt schnell fließt und rauscht. Eine Frau rennt zum Haus Hafenbrücke 1a. Sie befürchtet, daß ihr Auto „abgesoffen“ ist. Doch der Parkplatz ist trocken, das Hafenbecken ist randvoll, aber nicht übergelaufen.

Plötzlich Wasser in der Parkstraße: „Man glaubt gar nicht, woher das überall kommt“, sagt ein Feuerwehrmann. Die Straße wird gesperrt  

Abwehr der akuten Gefahr   - Buxtehudes Ordnungsamtschef im Gespräch

ts. BUXTEHUDE. Drohte auch der Ellerbruch-Tunnel vollzulaufen und damit ein Verkehrschaos? Zum Hochwasser in Buxtehude sprach das WOCHENBLATT mit Buxtehudes Ordnungsamtsleiter Uwe Pieper.  
W O C H E N -BLATT: Ein Gefahrenabwehrstab ist zusammengekommen. Wer gehört dem eigentlich an?

Uwe Pieper: „Im kleineren Kreis ist der Gefahrenabwehrstab das ganze Wochenende bis Montag früh zusammengewesen. Rolf Kampmeier vertrat Bürgermeister Jürgen Badur, Wolf Rosenzweig die Fachbereichsleiterin Katja Oldenburg-Schmidt. Dazu kamen drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes inklusive meiner Person, der stellvertretende Stadtbrandmeister Heinz Holger Witt und weitere Vertreter der Feuerwehr. Ein größerer Kreis trat mehrmals zusammen. Dazu zählten Vertreter der Polizei, des THW, der Stadtentwässerung und des Wasserverbandes.“

Beinahe wäre das Schaustück im Hafen gebraucht worden

WOCHENBLATT: Wie hoch ist der Schaden in Buxtehude?

Pieper: „Eine amtliche Schadensermittlung haben wir noch nicht vorgenommen. Wir sind noch mit der Abwehr der akuten Gefahr beschäftigt.“

WOCHENBLATT: Eine wichtige Verkehrsverbindung – auch für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und des THW – ist der Ellerbruch-Tunnel. Leute befürchteten, daß er zulaufen würde...

P i e p e r : „Für den Tunnel hat keine akute Gefahr bestanden. Ich will nicht ausschließen, dass er mal zulaufen könnte. Von Wassermassen, die die Rampen runterlaufen und wenn Abflußrohre durch Laub verstopft sind.“

WOCHENBLATT: Woher kommen diese gewaltigen Wassermassen? Regnet es im November normalerweise nicht auch so viel wie in den letzten Tagen?

Pieper: „Das waren Wassermengen, die über das normale Maß hinausgingen. Das ist mit im November verregneten Tagen nicht vergleichbar. Uns machten nicht die Regenfälle in Buxtehude zu schaffen. Sondern das Wasser

Fassungslosigkeit und Ohnmacht in Horneburg

Feuerwehren kämpften unermüdlich an der Regenfront: Aue-Deiche hielten Wassermassen nicht stand / 300 Haushalte betroffen

  (sr). „Ich bin selber auch abgesoffen“, erzählt Harald Krupski von der Horneburger Feuerwehr. Während er im Dauereinsatz war, habe seine Frau daheim in den Kalkwiesen „die Möbel vorm auflaufenden Wasser in Sicherheit gebracht“. Am Freitag letzter Woche trat im Landkreis Stade der Notfall ein: An der Aue in Horneburg hielten die Deiche den anschwellenden Fluten nicht mehr stand. Ein Krisenstab wurde gebildet, Landrat Gunter Armonat rief den Katastrophenalarm aus. Vor Ort kämpften mehr als 420 Helfer von Feuerwehr, DLRG und THW gegen die Wassermassen. Keine leichte Aufgabe für die Freiwilligen: Denn das Naß, was mühselig aus Häusern und Überschwemmungsgebieten gepumpt wurde, fiel sturzbachartig wieder vom Himmel. 15 Zehn-Liter-Eimer Wasser pro Quadratmeter strömten in das bereits aufgeweichte Erdreich. Das sind Dimensionen, die bei uns bisher so nicht bekannt waren. 130.000 Sandsäcke wurden gefüllt, um die Deiche in den gefährdeten Gebieten bis auf einen Meter zu erhöhen. Verzweifelt versuchten die Menschen ihr Hab und Gut zu schützen. Doch vergeblich: Das Wasser strömte auf einer Länge von 200 Metern über die Sollbruchstelle, flutete zwölf Hektar des Bullenbruchs und „verschluckte“ ganze Straßenzüge. Am Mühlenkamp pendelte die örtliche DLRG sogar mit einem Wasser- Taxi zu überfluteten Häusern. Etwa 300 Haushalte sind vom Hochwasser betroffen.  

                                  
Feuerwehrleute und Helfer wie Harald Krupski (oben) waren im Dauereinsatz Foto:hr  

 

 

 

 

 

 

Ganze Straßenzüge (wie die Siedlung Mühlenkamp, oben re.) versanken in den Wassermassen . Manche liefen barfuß durch die Fluten (oben li.), andere füllten unermüdlich Sandsäcke (unten)  

 
Kämpften auch an der Horneburger Regenfront: Stefan Jörke und Marco Fels von der Freiwilligen Feuerwehr Bokel Fotos (5): sr

„War nicht vorauszusehen“

Schicksal Hochwasser? Gespräche zur künftigen Entwässerung

„Jetzt gilt es der Bevölkerung zu helfen“: Gemeindebrandmeister Dieter Kintopf und Landrat Gunter Armonat (v.li.) Foto:sr

  (sr). „Zwischenzeitlich ist die Hochwasserlage entspannt“, berichtet Landrat Gunter Armonat während einer Pressekonferenz am Montag Mittag. Jetzt beginnen im Flecken Horneburg die Aufräumarbeiten. Auf dem Parkplatz Marktkauf, vor dem Forellenhof Wilke und am Anne-Frank-Weg hat die Kommune Sammelplätze für Sperr-, Elektro- und Restmüll eingerichtet. Gemeindebrandmeister Dieter Kintopf reduziert seine Einsätzkräfte auf eine sogenannte „Notbereitschaft“. Die Sandsäcke sollen aber zur Sicherheit noch liegen bleiben. Eine eigens aus Holland georderte Pumpe entlastet derzeit das Lühesperrwerk und sorgt für zusätzliche Sicherheit. Was ebenfalls bleibt, ist Angst und Verzweiflung. Die Horneburger Bürger fürchten sich vor weiteren Regenfällen und fordern, daß jetzt zügig Konsequenzen aus der Flut-Katastrophe gezogen werden. Der Deich solle erhöht, das lang geplante Regenrückhaltebecken endlich gebaut werden. Ein Großteil der betroffenen Familien ist versicherungstechnisch nicht abgedeckt, steht jetzt vor dem finanziellen Aus. „Das Ereignis war nicht vorauszusehen“, so Armonat. Noch nie sei der Landkreis Stade von derart heftigen Regenfällen heimgesucht worden: „Die Hochwasserwelle war einfach zu mächtig.“ Gleichwohl räumte der Landrat ein, werde die „hochwasserfreie Durchführung der Aue durch Horneburg die Politik künftig auf jeden Fall beschäftigen“. Es werde Gespräche geben, wie künftig mit dem Oberflächenwasser umzugehen sei.

Vier Tage wenig Schlaf bekommen

Am Montag lag die „Wasserfront“ im Moor: Feuerwehren seit Donnerstag im Einsatz

Hochwasser in Stadermoor: Nur mit Behelfswegen aus Sandsäcken lassen sich manche Häuser trockenen Fußes erreichen Fotos: ma

hr. STADE. Während sich das Hauptaugenmerk bei der aktuellen „Regenkatastrophe“ auf Horneburg konzentriert, kämpften auch die Stader Feuerwehren am Montag noch an der Wasserfront: „Wir haben große Schwierigkeiten im Bereich Stader Moor/Bützflether Moor“, berichtete Stadtbrandmeister Klaus Ney: Große Mengen Oberflächenwasser, die von der Geest kamen, sorgten in dem Moorgebiet für anhaltende Überschwemmungen. Die Einsatzkräfte waren in Stade seit Donnerstag ohne lange Pausen im Einsatz – allein 140 Stader Feuerwehrleute pro Tag. Der Stadtbrandmeister am Montag: „Wir haben in den letzten vier Tagen mit den Mannschaften sehr wenig Schlaf bekommen.“ Mit 260 „notierten Kellern“, insgesamt geht Ney von etwa 300 aus, bei denen die Feuerwehrhelfer zum Auspumpen anrückten, gab es zwar zahlenmäßig weniger Einsätze als beim „großen Regen“ im vergangenen Jahr, die Arbeiten dauerten diesmal aber deutlich länger. Vor allem deshalb, weil es mit dem einfachen Leerpumpen oft nicht getan war – der Boden war so durchfeuchtet, daß auch für einen geregelten Wasserabfluß gesorgt werden mußte.

Als am Samstag das Wasser in der Harschenflether Wettern so hoch stand, daß auch dort eine Überschwemmung des Wohngebietes drohte, entschloß sich die Stadt Stade gemeinsam mit dem Unterhaltungsverband Kehdingen eine etwa 300 Meter lange Stahlrohrleitung zu verlegen, durch die eine eigens installierte Pumpe dann 300 Liter Wasser pro Sekunde in den Burggraben beförderte.  

Sinkende Pegel, aber keine Entwarnung

In den meisten Hochwassergebieten Norddeutschlands sind die Wasserstände gestern gesunken. Ein Tag zum Keller leer pumpen und aufräumen. In Grönland (Kreis Steinburg) hielten die Bewohner den Deich mit 30 000 Sandsäcken. Zwei Hochleistungspumpen aus Holland schöpften je 60 000 Liter Wasser pro Stunde aus dem voll gelaufenen Graben über mehrere Kilometer lange Leitungen in die Elbe. Im nahen Elbort Glückstadt waren drei solcher Pumpen im Einsatz und verhinderten, dass die Innenstadt wieder voll lief. In Horneburg (Landkreis Stade) machte der hohe Wasserstand der Aue der Einsatzzentrale noch Sorgen, aber "Bewohner sind nicht mehr gefährdet", hieß es. Auch hier war eine holländische Hochleistungspumpe im Einsatz. Die größten Sorgen machte noch die Aller in Celle: Sie fließt nicht ab. Ihr Pegel stagnierte bei 4,97 Metern - bei fünf Metern ist die Katastrophe da.

erschienen am 24. Jul 2002 in Norddeutschland

Gabriel: Wir helfen den Flutopfern
Niedersachsen zahlt 500 000 Euro aus einem Härtefonds und 500 000 Euro für die Erhöhung des Horneburger Deichs.
von Heike Müller

Horneburg - Mit 500 000 Euro will Niedersachsen den Opfern des Hochwassers helfen. Das hat Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) gestern Abend bei einem Kurzbesuch in der stark betroffenen Gemeinde Horneburg (Landkreis Stade) zugesagt. Das Land hat dazu einen Härtefonds eingerichtet, aus dem landesweit besonders Geschädigten sofort und unbürokratisch geholfen werden soll. Außerdem bezahlt das Land die Erhöhung und Sanierung des Aue-Deiches südlich der Bundesstraße 73. Kosten: weitere 500 000 Euro. Gabriel stellte Geschädigten auch zinsgünstige Darlehen für Sanierungsarbeiten in Aussicht. Neuer Hausrat und neue Kleidung könnten als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden. Zinsfreie Steuerstundungen seien möglich.

Der Landesvater hatte für seine Visite seinen Spanien-Urlaub unterbrochen. "Wir können als Land keinen Schadenersatz zahlen", sagte er den Bürgern, "aber wir wollen Menschen aus der ärgsten Not helfen." Er versprach: "Wenn der Härtefonds nicht ausreicht, werden wir ihn erhöhen."

Die Anwohner reagierten zurückhaltend. "Mal abwarten, ob den Worten Taten folgen", sagte Birgit Dittmer aus der Mühlenkampsiedlung. "Alles Wahlkampf!", schimpfte eine Nachbarin. Gabriel komme zu spät. "Wir haben die letzten fünf Tage nur gearbeitet und sind jetzt völlig am Ende." In der Mühlenkampsiedlung waren die Häuser vollständig vom Wasser eingeschlossen.

Die Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms will die Soforthilfe des Landes in unterschiedlichen Teilen an alle Opfer des Hochwassers verteilen. "Hier standen drei Siedlungen unter Wasser", so Harms, "1000 Menschen sind betroffen." In den nächsten Tagen sollen Verwaltungsmitarbeiter erfassen, wie hoch die Schäden bei den Betroffenen sind.

erschienen am 24. Jul 2002 in Norddeutschland

Wasser steht bis zum Hals

Harburg (cok). Die starken Regenfälle der vergangenen Tage haben selbst die verhaltensten Erntehoffnungen zunichte gemacht. "Der Dauerregen hat erhebliche Schäden bei Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren angerichtet", meinte Dieter Meyer, Obstbauer und Vize-Vorsitzender des Bauernverbands Hamburg. Nach Auskunft von Walter Quast, Obstbauer aus Neuenfelde, wurden bei einer insgesamt schlechten Ernte 50 Prozent weniger Kirschen als im vergangenen Jahr gepflückt. Bei den Sauerkirschen seien es sogar nur sieben Prozent vom Vorjahr.

Auch die Äpfel werden laut Quast nicht die übliche Qualität erreichen. Das liege aber nicht am Regen, sondern an der kühlen Witterung während der Blütezeit im Mai. Quast rechnet mit Einbußen von 50 Prozent. Um Ertrag zu erhalten, muss es nach Ansicht Meyers jetzt dringend trocken werden. "Die Bäume stehen im Wasser. Wenn sie nach einer Woche nicht trocken gelegt werden, erhalten sie keinen Sauerstoff und sterben ab", sagt er. "Wenn das Wetter besser wird und wir das Wasser abpumpen können, kommen wir vielleicht mit einem blauen Auge davon."

Dieser Optimismus ist den Getreidebauern abhanden gekommen. "Wir müssen mit erheblichen Qualitäts- und Quantitätseinbußen rechnen. Es ist nicht auszuschließen, dass Landwirte in Existenznot geraten", sagte der Leiter der Außenstelle Buchholz der Landwirtschaftskammer Hannover, Ralf Krug.

(HAN, 24.07.2002)  

Donnerstag 25.07.2002

Bauern müssen noch warten
Ministerpräsident Gabriel: Ende September müssen wir über die Hilfen für den Obstbau reden
Krisengipfel: (von links) Regierungspräsidentin Birgit Honé, Landtagsabgeordnete Monika Wörmer-Zimmermann, Landrat Gunter Armonat, Ministerpräsident Sigmar Gabriel, Bürgermeister Hans-Jürgen Detje und Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms. Foto: Jürgens

Kreis Stade (bv). Der Obstbau im Alten Land muss warten –  auf die Ernte. Das Landwirtschaftsministerium wird Ende September prüfen, welche Verluste durch die Überschwemmungen eingetreten sind. „Dann werden wir auch über eine Unterstützung der Obstbauern reden müssen.“ Das hat der Niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel am Dienstag in Horneburg den Altländern zugesagt.

Im Auge habe die Niedersächsische Landesregierung gegenwärtig auch die Landwirtschaft. „Durch die Flut fehlt den Bauern das Futtermittel, hier wollen wir helfen“, sagte Gabriel. Geplant seien unter anderem ein Existenzsicherungsprogramm und zinsbegünstigte Kredite. Außerdem soll bei der Europäischen Union (EU) durchgesetzt werden, dass Rinder auf Stilllegungsflächen grasen können –  auch für andere Zweige, beispielsweise den Getreideanbau, stellte der Ministerpräsident Hilfe in Aussicht.
„Die Gewerbebetriebe werden wir nicht in Stich lassen“, versicherte der Regierungschef. Betrieben, die durch die Flut wirtschaftlich in Bedrängnis geraten, sei die Unterstützung des Landes sicher.
Von der Steuer-Hilfe sollen Unternehmen und Privatpersonen profitieren. „Wir weisen die Finanzämter an, die Folgen der Flut als außergewöhnliche Belastung anzuerkennen“, kündigte der Ministerpräsident in Horneburg an, der eine Million Euro als Soforthilfe im Gepäck hatte.
Auch den betroffenen Kommunen, die wie Horneburg auch ohne die Flut bereits am Hungertuch nagen, will Gabriel helfen. Der Ministerpräsident dankte in Horneburg auch den mehr als 2500 Helfern, die insgesamt seit Donnerstag im Landkreis Stade im Einsatz waren.

Wulff: Es fließt zu wenig Geld
Niedersachsens CDU-Vorsitzender kritisiert Flut-Hilfsprogramm

Kreis Stade (ch). Niedersachsens CDU-Chef Christian Wulff kritisiert die finanzielle Hilfe, die Ministerpräsident Sigmar Gabriel (CDU) am Dienstagabend für die niedersächsischen Flut-Opfer angekündigt hat.

„500000 Euro für ganz Niedersachsen sind zu wenig“, sagte Wulff am Mittwoch in Stade. Der CDU-Politiker wirft der Landesregierung vor, mit ihrer Haushaltspolitik Möglichkeiten zur schnellen finanziellen Hilfe verschüttet zu haben: „Für die solidarische Hilfe in Notlagen ist kein Geld mehr vorhanden“, so Wulff.
Er verweist auf das Heimatland des CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber: In Bayern habe es 350 Millionen Mark Hilfen nach der BSE-Krise gegeben, in Niedersachsen ganze fünf Millionen.
Einen Tag nachdem Gabriel per Hubschrauber in Horneburg eingeschwebt war und 500000 Euro individuelle Hilfe versprochen hatte, sah sich Wulff in Überschwemmungsgebiet um. Die Flutopfer halten die halbe Million Euro „nur für einen Tropfen auf dem heißen Stein“, hat er dabei erfahren.
Wulff machte im Rahmen seiner Sommerreise im Kreis Stade Station. Er will die Landtagswahl am 2. Februar 2003 gewinnen und Ministerpräsident Gabriel nach 13-jähriger SPD-Herrschaft ablösen.

Erstes Hilfsgeld fließt bereits
Teams der Samtgemeinde Horneburg besuchen Geschädigte

Kreis Stade (bv). „Wir werden den Hochwasser-Opfern unbürokratisch und kurzfristig helfen“, betont Regierungspräsidentin Birgit Honé. In der Gemeinde Horneburg gehen fünf Teams à zwei Personen –  gebildet aus einem Verwaltungsmitarbeiter und je einem Mitarbeiter von Hilfsorganisationen oder einem Kommunalpolitiker – die rund 300 beschädigten Häuser ab. Dann wird kurzfristig über die Sofort-Hilfe entschieden. Das wurde am Mittwoch mit der Bezirksregierung Lüneburg im Rathaus abgesprochen. „Die besonders schlimm betroffenen Horneburger besuchen wir zuerst, bereits in dieser Woche werden wir die ersten Barschecks ausgeben“, sagt Horneburgs Samtgemeindebürgermeisterin Hilke Harms. Das erste Geld aus dem 500 000-Euro-Härtefonds stehe bereit. Die Vergabe werde vor Ort durch die Kommune geregelt, so Horneburgs Krisen-Managerin Harms.
In Harsefeld werden Flut-Opfer unter Telefon 04164/887121 oder 04164/887120 zum Thema Hilfe aus dem Härtefonds beraten.

Polizei fahndet nach Deich-Verbrecher
Leben in Gefahr – Unbekannter wollte den Deich in Horneburg zerstören
Hier wollte ein Krimineller den Aue-Deich zerstören: Gemeindebrandmeister Dieter Kintopf, Polizeichef Joachim Unshelm und Kreisbrandmeister Gerhard Moldenhauer (von links) am Tatort. Foto: Vasel

Horneburg (bv). Die Männer und Frauen der Feuerwehr sind wütend –  in der Nacht zu Sonntag hat ein unbekannter Mann versucht, den Deich auf Höhe des Gewerbegebiets zu zerstören. „40 Helfer waren mehr als zwei Stunden im Einsatz, um die Lücke zu schließen“, sagt Gemeindebrandmeister Dieter Kintopf. Durch bereits überschwemmtes Gebiet musste eine lange Menschenkette gebildet werden. Der Deich-Verbrecher habe das Leben und das Eigentum vieler Menschen gefährdet, so der Leiter des Buxtehuder Polizeikommissariates, Joachim Unshelm. Bei einem Dammbruch wäre noch mehr Wasser in das Gewerbegebiet, in die Siedlung am Anne-Frank-Weg und in den Bullenbruch geflossen. „Mit verheerenden Folgen auch für die Menschen in Dammhausen“, sagt Unshelm. Glücklicherweise sei der Unbekannte am Sonnabend gegen 23.45 Uhr gerade noch rechtzeitig entdeckt worden. Der Mann entkam in Richtung Vordamm. Die Polizei sucht Zeugen, nimmt Hinweise über den Täter unter 0 41 61 / 64 70 oder 0 41 63 / 22 10 entgegen.

Konten für warmen Regen
Spenden-Aktion für die Flut-Opfer

Kreis Stade (ing). Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß: Wer den Opfern der Regenflut finanziell unter die Arme greifen will, kann das auf verschiedene Weise tun. Das TAGEBLATT ruft zu Spenden auf – gemeinsam mit den Flecken Harsefeld und Horneburg. Die Caritas hat einen Soforthilfe-Fonds gegründet und selbst 10000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Beispiele: In Harsefeld überwiesen die Lions 5000 Euro und das DRK 1000 Euro.
Hier noch einmal die Konten: Horneburg bittet um Spenden auf die Konten 40 03 66 bei der Kreissparkasse Horneburg (BLZ 24 15 11 16) und 68 43 09 00 bei der Volksbank Geest (20 06 97 82). Harsefeld hat die Konten eingerichtet mit den Nummern 20 05 35 bei der KSK Harsefeld (24 15 11 16), unter 203 97 00 bei der Volksbank Geest (20 06 97 82) und unter 53 40 12 03 bei der Postbank Hamburg (20 01 00 20). Die Caritas erwartet Spenden auf das Konto 230 10 00 bei der Commerzbank (25 94 00 33).

Steuer-Hilfen für Flut-Opfer
Zinslose Stundungen und Sonderabschreibungen

Kreis Stade (bv). Das Land hat die niedersächsischen Finanzämter angewiesen, den Flut-Opfern mit steuerlichen Hilfen unter die Arme zu greifen: Der Erlass sieht vor, dass Steuern zinslos gestundet werden. Vorauszahlungen sollen herabgesetzt und auf Säumniszuschläge verzichtet werden, teilt die Niedersächsische Staatskanzlei mit. Das gilt für Steuern, die bis zum 30. November 2002 fällig werden. Der Fiskus gewährt außerdem Sonderabschreibungen für den Wiederaufbau von betrieblich genutzten und vermieteten Gebäuden sowie die Ersatzbeschaffung von Maschinen und Anlagen. Des Weiteren sieht der Erlass einen sofortigen Betriebsausgabenabzug von Kosten für die Beseitigung der Schäden an Grund und Boden vor. Außerdem gilt ein erleichterter Betriebsausgaben- und Werbungskostenabzug für die Schadensbeseitigungen an Betriebsgebäuden, beweglichen Anlagegütern und vermieteten Gebäuden. Sonderegelungen gelten für die Landwirtschaft. Informationen beim Finanzamt Stade unter Telefon 04141/5360.

Die Regenflut-Pipeline von Grünendeich

Grünendeich - Immer noch gibt es gesperrte Straßen im Alten Land. Zwar nicht, weil die Fahrbahnen überflutet sind. Aber doch Auswirkung der Hochwasserkatastrophe vor allem an der Lühe. Um die Wassermassen von der Lühe (sie heißt von der Quelle bei Ahlerstedt bis zum nördlichen Ortsrand von Horneburg Aue) tideunabhängig in die Elbe zu bekommen, die auch hohen Wasserstand hat, wird das Wasser in der Nachbarschaft des Garagenhofes der Wohnanlage Elvkieke mit einer niederländischen Hochleistungspumpe aus der Lühe "gesogen", dann per Rohrleitung zur Mündung der Lühe geleitet.

Die Pumpe fördert 1,6 Kubikmeter pro Sekunde. Die Leitung ist ca 300 Meter lang, verläuft parallel zur Fährstraße, dann über die Kreisstraße 39, sie heißt dort "Lühe", und den Deich, dann über den Parkplatz am Lüheanleger in die Elbe.

"Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass wir in der Lühe genug Stauraum haben", sagt Helmut Hölscher, Dezernent in der Stader Kreisverwaltung. Vor allem durch den Einsatz der Hochleistungspumpe am Sperrwerk der Lühe sinke nun auch der Wasserstand der Aue erheblich.

Die Sperrung der Kreisstraße reicht von der Einmündung Yachthafenstraße in Neuenschleuse bis zur Einmündung in den Obstmarschenweg (Mojenhörn/Huttfleth).

Der Katastrophen-Voralarm im Landkreis Stade wurde am Dienstag aufgehoben. Der Katastrophenstab für den Flecken Horneburg ist gestern aufgelöst worden. "Die Lage hat sich soweit entspannt, dass wir auch die Alarmbereitschaft komplett beenden konnten. Eine Koordination zwischen den Kommunen ist nicht mehr notwendig", sagt Helmut Hölscher. Das Technische Hilfswerk (THW) hat sein Personal auf 35 Kräfte reduziert. Die Feuerwehr hilft noch mit 20 Aktiven bei Aufräumungarbeiten mit.

Die Horneburger Kleiderkammer des DRK in der Stader Straße hat in dieses Woche ganztägig geöffnet und gibt Kleidung an Betroffenen der Hochwasserflut. wp/A.Br

erschienen am 25. Jul 2002 in Harburg

Freitag 26.07.2002

Im Moor sinkt die Hoffnung
Notstand im Moor: Pumpen aus Stade und Hechthausen sollen helfen

Kreis Stade (sbi). Während an den übrigen Krisenherden im Landkreis das Hochwasser unter Kontrolle ist, steht den Bewohnern der Moorgebiete Drochtersens, Bützfleths und Stades das Wasser bis vor die Haustüren, teilweise auch noch dahinter. Zusätzliche Pumpen sollen jetzt Abhilfe schaffen.

Seit einer Woche schöpft Rentnerin Elfriede Feil an die 60 Eimer Wasser am Tag aus einem kleinen Kellerraum ihres Hauses im Asselermoor. „Da muss noch heute eine Pumpe hin“, sind sich Drochtersens Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch und Gemeindedirektor Emil Frerichs einig. Keller, Garagen, Klärgruben stehen in den Moorgebieten noch unter Wasser, der Boden ist mit Nässe gesättigt, die Gräben nehmen nichts mehr auf. Um anderthalb Zentimeter hat sich im Laufe der Woche das Wasser in einem Überschwemmungsgebiet in Niederhüll gerade einmal gesenkt.
Bei Elfriede Feils Nachbarn, Familie Söhl, hat die Feuerwehr vor einer Woche das Haus mit Sandsäcken gesichert, das Grundstück aber ertrinkt seitdem. „Eine Woche im Wasser und nichts tut sich – unsere Nerven liegen blank“, sagt Gerd Söhl.
Ganz hart getroffen hat es ein Ehepaar aus Bützflethermoor: „Der größte Teil des Hausrats, die Fußboden, die Tapeten, alles ist hin – und vor allem auch die Hoffnung“, sagt Yvonne Anetzberger. Ihr Mann hat nach jahrelanger Arbeitslosigkeit erst seit einem Jahr einen Job, endlich gab es Aussicht auf finanzielle Erholung, sie dachten an Familienplanung. Dass den Anetzbergers – wie auch einer anderen betroffenen Familie in Schnee – sofort geholfen werden muss, betont Bützfleths Ortsbürgermeister Wolfgang Rust.

Deich keine geheime Kommando-Sache
Hahnöfersand: Regierungspräsidentin will Jork künftig zeitnah informieren

Jork/Lüneburg (bv). Regierungspräsidentin Birgit Honé hat offenbar Konsequenzen aus dem Deich-Streit gezogen – nach der Geheimniskrämerei der letzten Jahre will die Behördenchefin aus Lüneburg mit einer Informationsoffensive den Altländern die Sorgen über die Deichsicherheit auf Hahnöfersand nehmen.

Das hat die Regierungspräsidentin nach einem Gespräch mit Bürgermeister Thies Hardorp sowie Hinrich Rohbohm (CDU), Monika Tegtmeyer-Casper (SPD), Susanne Hauschildt (Bürgerverein) und der Ersten Gemeinderätin Antje Hanisch am Mittwoch in Lüneburg angekündigt. „Die Gemeinde Jork wird zukünftig zeitnah alle notwendigen Informationen von uns erhalten“, sagt Honé – obwohl Jork nach dem Niedersächsischen Deichgesetz keine Mitwirkungsrechte hätte.
„Wir begrüßen die neue Informationspolitik, die bisherige war mehr als unerfreulich und hat die Ängste und die Sorgen über die Deichsicherheit genährt“, sagt der Erste Bürgermeister Hardorp.
Die Behördenchefin habe in dem Gespräch deutlich gemacht, dass die Bezirksregierung bei der Widmung des Deiches den Planfeststellungsbeschluss zu berücksichtigen hatte. Und der sehe eine „zeitnahe Durchführung der Baumaßnahmen“ vor.
Bürgermeister und Erste Gemeinderätin unterstrichen noch einmal, dass die Gemeinde beim Deich keinerlei Mitwirkungsmöglichkeiten gehabt habe. Im Grundsatz lehne die Kommune die gesamte Ausgleichsmaßnahme weiter ab. Jork hält seine Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen den Planfeststellungsbeschluss aufrecht.

Deichfrevel: Fahndung

Horneburg - Wer den Lühedeich während der Hochwassernacht zum Sonntag im Flecken Horneburg zerstören wollte, konnte die Polizei gestern noch nicht feststellen. Das Motiv steht für den Pressesprecher der Stade Ordnungshüter, Johann Schlichtmann, aber bereits fest. Wenn der Täter Erfolg gehabt hätte, wäre das Moorgebiet Bullenbruch früher überflutet worden - so wie später auch geschehen.

Der Deich ist an dieser Stelle so konstruiert, dass das Wasser hier überlaufen kann. "Der Wasserstand in Horneburg wäre dann schneller gefallen", vermutet Johann Schlichtmann. Es ist also gut möglich, dass der Täter aus einem vom Hochwasser stark betroffenen Horneburger Ortsteil kommt.

Der Täter war bei seinem Versuch, den Deich zu öffnen, von freiwilligen Helfern überrascht worden und unerkannt entkommen. Die Polizei hofft, dass die Helfer eine brauchbare Täterbeschreibung liefern können.

Sollte die Fahndung erfolgreich sein, droht dem Deichfrevler eine Gefängnisstrafe. Das Strafgesetz wertet vorsätzliche Zerstörung von Hochwasserschutzanlagen als Verbrechen, das mit Gefängnis von ein bis zehn Jahren bestraft wird. wp

erschienen am 26. Jul 2002 in Harburg

Katastrophe nur knapp entgangen

Horneburg (lni). Die Gemeinde Horneburg (Kreis Stade) und das angrenzende Alte Land sind nur knapp einer noch größeren Hochwasser- Katastrophe entkommen. Wie jetzt bekannt wurde, hat ein Unbekannter in der Nacht zum Sonntag versucht, den Auedeich in Höhe des Gewerbegebietes in Horneburg zu durchstechen. "Der Mann wurde überrascht und konnte entkommen," sagte am Donnerstag ein Sprecher der Polizei Horneburg. 40 Helfer seien zwei Stunden im Einsatz gewesen, um mit Sandsäcken die Deichlücke zu schließen.

Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Herbeiführens einer Überschwemmung. "Das ist ein Verbrechen und wird mit Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet," betonte der Polizeisprecher. Der Täter habe mit einem Spaten die Grasnarbe bereits auf einem Meter Länge abgegraben. "Das Wasser strömte schon über den Deich," berichtet Dieter Kintopf, Einsatzleiter der Feuerwehr Horneburg.

Der Mann habe das Leben und Eigentum vieler Menschen gefährdet. Bei einem Dammbruch wäre noch mehr Wasser in die Horneburger Wohngebiete und die Polder im Alten Land geflossen. "Die Folgen wären verheerend gewesen." Die Polizei sucht dringend Zeugen und nimmt Hinweise auf den Täter entgegen. Unterdessen hat sich die Lage im Horneburger Hochwassergebiet weiter entspannt.

(HAN, 26.07.2002)  

Samstag 27.07.2002

Schnelle Hilfe für Horneburger Flutopfer

Horneburg - Bürgermeisterin Hilke Harms kam persönlich vorbei und brachte einen Barscheck mit. Seit zwei Tagen vergibt die Samtgemeinde Horneburg die Hilfsgelder der Landesregierung an die Opfer der Hochwasserkatastrophe.

Gestern Abend war das Geld fast restlos an die rund 30 Familien, die es am schlimmsten betroffen hatte, verteilt. Wie hoch die Beträge sind, verriet Bürgermeisterin Harms nicht. Der Landkreis Stade hatte von den 500 000 Euro Soforthilfe der Landesregierung 100 000 Euro bekommen. "Über 50 Prozent davon sind nach Horneburg gegangen", sagt Harms. Wie viel Geld Horneburg tatsächlich bekommen hat, soll erst später veröffentlicht werden.

Auch Tage nach der Katastrophe ist die Solidarität im Ort groß. "Wir haben es erlebt", erzählt die Bürgermeisterin, "dass Bürger uns mit dem Hinweis, den Nachbarn habe es viel schlimmer als einen selbst erwischt, zu anderen geschickt haben."

Das Horneburger Bürgertelefon bleibt am Wochenende besetzt. Es ist von 9 bis 17 Uhr unter 04163/80 79 17 erreichbar. Inzwischen haben viele Firmen aus der Region den Flutopfern bei der Neubeschaffung von Geräten Sonderkonditionen eingeräumt. Auf dem von der Gemeinde eingerichteten Spendenkonto sind 9700 Euro eingegangen.

Gestern wurden im Ort Paletten aufgestellt. Die Verwaltung bittet die Bürger, die Sandsäcke darauf zu packen. Sie werden ab Montag eingesammelt. Die Säcke auf dem Deich bleiben liegen. wp

erschienen am 27. Jul 2002 in Harburg

Aufräumen am Rande der Erschöpfung

Hochwasser: Leben im Chaos und im Blickpunkt der Öffentlichkeit

 

Bunte Stofftiere auf groben Sandsäcken. Manche Dinge trocknen schnell, aber die vielen Verluste werden den Hochwasser-Opfern von Horneburg noch lange nachhängen Foto: kat

(kat). Bis vor kurzem standen sie bis zum Hals im Wasser, jetzt wird in der Küche abgewaschen. „Das Geschirr aus dem Keller ist noch zu gebrauchen“, sagt Birgit Dittmer. Teller und Tassen schwammen bei ihr im Keller auf 1,80 Höhe, wurden aus einer älteren Küchenzeile geschwemmt, die jetzt hinüber ist. Die Heizungsanlage im Haus ging durch das Horneburger Hochwasser kaputt, ebenso wie die Waschmaschine. Über Tage leben die Betroffenen der Überschwemmung im Chaos. Die Misere in ihren Häusern steht im öffentlichen Interesse, ihr Gemütszustand wird durch Besucher aus Politik und Presse weiter strapaziert. Was in den Hochwasser-Opfern eine Woche nach der Katastrophe vorgeht? Ein Annäherungsversuch

 

 

 

 

 

Nach dem Hochwasser: Flecken Harsefeld arbeitet an neuem Schutz vor Überflutung  

Die Anlieger des Harsefelder Wiesenweges hat es am schlimmsten getroffen Foto: Verlag  

sr. HARSEFELD. „Was uns fehlt, ist ein Hochwasser-Frühwarnsystem“. Dies aber fordert Gemeindebrandmeister Wilfried Lühring für die Wohnorte entlang der Aue. Heftige Niederschläge ließen auch im Flecken Harsefeld ganze Straßenzüge in den Fluten versinken. Gemeinsam mit dem Kreis Stade und dem Unterhaltungsverband Aue soll jetzt ein Konzept zum nachhaltigen Schutz vor Hochwasser erarbeitet werden. Nicht die „Versiegelung Harsefelds durch Neubaugebiete“ habe für die Überflutung gesorgt, stellt sich der Verwaltungschef Vorwürfen entgegen. Vor allem von land-wirtschaftlichen Flächen seien die Wassermassen in Richtung Vorfluter geströmt. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren allein am Donnerstag mit 380 Kräften dabei, Sandsäcke zu stapeln, Keller auszupumpen, Öltanks zu sichern und Einrichtungen zu retten. „Die Kameraden waren zum Teil mehr als 10 Stunden im Einsatz, kämpften mit wunden Füßen und Händen gegen die Fluten“, so Lühring. Mehr als 100 Einsätze protokollierte die Einsatzleitung. Probleme bereiteten den Helfern ganz alltägliche Dinge wie „fehlende Hausnummern und mit Blumenkübeln dichtgestellte Zuwegungen“. Über zusätzliche Rückhaltebecken, wird nach Angaben von Rainer Schlichtmann „nachgedacht“. Allerdings seien die Grundstücksverhandlungen schwierig. Der Vorsitzende des für die Entwässerung der Aue-Region zuständigen Unterhaltungsverbandes, Hans Diedrich Fitschen, beklagt, daß in den Fluß oft Sand gelangt, der dann den Abfluß stört. Er ist sich sicher: „Das Naturschutzgebiet zwischen Harsefeld und Horneburg hat als natürliches Rückhaltebecken größere Schäden verhindert.“  

Sperrmüll-Plünderer nach der Flut

400 Kubikmeter Erinnerungen in Containern / Sammelstellen werden aufgelöst / weiter Hilfe

Sperrmüll-Mahnmal nach der Überschwemmung: Allein auf dem Horneburger Parkplatz türmten sich täglich tonnenweise ruinierte Möbel, Teppiche und Elektrogeräte Fotos: io  

(io). „Schöne Schweinerei. Da habt ihr ja noch ordentlich zu tun.“ Etliche Passanten bedauern die Mitarbeiter der Horneburger Bauhofes, die sich durch riesige Sperrmüllberge kämpfen. Das Hab und Gut von 300 Familien, die Opfer der Überschwemmungen wurden. Allein in den ersten Tagen sind rund 400 Kubikmeter Hausrat zusammengekommen. „Viele haben ihre Sachen noch vor der Haustür stehen“, weiß Matthias Herwede, stellvertretender Gemeindedirektor. Zwischen all den ruinierten Polstergarnituren, Stereoanlagen, Holzdielen, Lampenschirmen und Waschmaschinen wirken Bauhofmitarbeiter Herbert Kahrs und Helfer Horst Groth richtig verloren: „Wir müssen alles mit der Hand aufladen.“ Der Radlader ist heute an einer anderen Stelle im Einsatz. Obendrein erschweren Plünderer die Arbeit: „Die haben hier alles durchwühlt, Tüten aufgerissen, noch mehr Chaos verbreitet.“ Eine Anwohnerin kann das bestätigen: „Ich hab’ gesehen, wie sie mit Lastwagen vorgefahren sind. Da blieb mir fast die Spucke weg.“ Obgleich viele Flutopfer noch keine Möglichkeit hatten, ihre kaputten Möbel aufzuladen, sollen die Sonder-Sammelstellen Anfang nächster Woche aufgelöst werden: „Irgendwann muß Schluß sein“, sagt Herwede: „Schon jetzt laden Nichtbetroffene ihren Müll ab. Das stimmt einen irgendwie traurig.“

  • Horst Groth (l.) und Herbert Kahrs hatten alle Hände voll zu tun: „Plünderer haben uns die Arbeit zusätzlich erschwert.“

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Betroffene sollen allerdings nicht unter Zeitdruck gesetzt werden. „Wer jetzt nicht in der Lage ist, seinen Sperrmüll zu entsorgen, kann sich mit Firma Schröder aus Harsefeld, Tel. 0 41 64 -2250 in Verbindung setzen. Wir haben mit dem Unternehmen kurzfristige Abholtermine vereinbart.“ Bis 15. August besteht für Hochwassergeschädigte außerdem die Möglichkeit, unbegrenzte Mengen Sperrmüll auf den Mülldeponien in Ketzendorf oder Stade kostenlos loszuwerden.

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  • Wer absolut nicht in der Lage ist, seine Notlage zu meistern, kann sich an das Horneburger Bürgertelefon, 0 41 63 - 80 79 17 wenden. In solchen Fällen helfen Bauhofmitarbeiter den Betroffenen.

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  • Die Sammelstelle am Mühlenkamp wird noch nicht aufgelöst. Erst, wenn sich die Sperrmüllmenge deutlich reduziert.

„Habe kein Zeitgefühl mehr“

Zwischen Humor und Erschöpfung: Hochwasser-Opfer Birgit Dittmer

Wasser bis zur dritten Stufe: Birgit Dittmer vor ihrem Haus  

(kat). „Der Galgenhumor hat uns am Leben gehalten“, sagt Birgit Dittmer. Sie bringt einen Eimer mit kaputtem Hausrat vor die Tür, wirft den Inhalt scheppernd auf den Sammelplatz. Hochwasser-Schäden gibt es für sie und ihre Nachbarn im Mühlenkamp in Horneburg genug. Seit die Keller Anfang der Woche wieder leer sind, wird unermüdlich aufgeräumt: „Heute ist der fünfte Tag. Irgendwie habe ich gar kein Zeitgefühl mehr.“ Im Garten steht ein Markierungspfahl: „Flut, 19.7. 2002“ ist da zu lesen. „Ich habe mir einen Badeanzug angezogen und bin durch den Garten geschwommen“, erzählt Dittmer. „Man muß sich das vorstellen wie ein Haus im See. Vorne, hinten, unten – überall Wasser.“ Die Reihenhäuser im Mühlenkamp liegen nur 50 bis 100 Meter von der Aue entfernt. „Da denkt man ja sonst nicht dran“, so Dittmer. Daß ein kleiner Bach so verheerende Wirkung haben kann. Doch in Zukunft werden die Bewohner ein waches Auge haben. Am Freitag, den 19., liefen die ersten Keller voll. Weil Carsten Dittmer als Feuerwehrmann im Einsatz war, traf das Hochwasser die Familie nicht völlig überraschend. Trotzdem mußte sie zusehen, wie das Wasser stieg, und konnte nur wenig ausrichten. Heizungsanlage, Waschmaschine, Küchenmöbel – alles hin. Die Keller unter den Wohnungen sind geräumig, „darum hatten wir auch so viel drin“, sagt Birgit Dittmer, als sie das Ausmaß der Schäden zeigt. Das ganze Wochenende hindurch mußten die Familien warten. Der Strom war abgeschaltet, die Wohnungen klamm. Bis kurz unter die Kellerdecke stand das Wasser, durch den Wasserdruck platzten Glasscheiben. Alle losen Gegenstände schwammen oben. „Steigt das Wasser noch höher?“, haben sich die Betroffenen gefragt. Sie standen in der Nacht auf Samstag alle auf ihren dunklen Balkons, warteten das Elbe-Hochwasser um Mitternacht ab. Auf der dritten Treppenstufe blieb der Pegel stehen. Mit der Hoffnung, daß die Wohnräume trocken bleiben würden, gingen die Leute erschöpft ins Bett. Montag konnten die Mühlenkamper sich endlich um die Schäden kümmern. „Für das Gemeinschaftsgefühl war dieses Ereignis schon gut“, meint Birgit Dittmer. Die Nachbarn – viele wohnen erst seit kurzem in der Siedlung – halfen sich gegenseitig. Selbst solche, die man nur vom Sehen kennt, packten bei den Betroffenen mit an. „Das war toll, dafür möchten wir uns herzlich bedanken“, so Dittmer. Sie kann trotz allem immer noch lächeln und ein paar Scherze über die Misere machen. Zeigt auf die Stofftiere der Kinder, die im Keller „ertranken“: „Die müssen jetzt auf dem Balkon trocknen.“ Eine neue Heizungsanlage ist bereits installiert. Der Vermieter der Reihenhauszeile hat schnell reagiert. „Morgen haben wir wieder warmes Wasser“, freut sich die Familie. Doch das Chaos in den Haushalten ist noch immer unübersehbar. Wasser und Dreck aus Keller und Garten werden jetzt nach und nach herein getragen. Was noch zu gebrauchen ist, muß gereinigt werden. Und vor allem trocknen – das dauert. Was jetzt eher „nervt“ als hilft, ist das öffentliche Interesse: Presse, Politik, Prominenz. „Im Grunde halten die uns nur von der Arbeit ab“, heißt es unter Hochwasser-Opfern. Dittmer sieht’s gelassen: „Hier unter meiner Pergola – da hat der Ministerpräsident gestanden“, schmunzelt sie. Dann guckt Birgit Dittmer auf die Uhr und sagt, es wird Zeit, die Kinder abzuholen. Für die beiden Kleinen ist das alles noch ein aufregendes Abenteuer. Doch die Mutter wird wieder ernst – zuviel hat sie noch zu tun, als daß ihr „Galgenhumor“ sie darüber lang hinwegtäuschen könnte.

Fotos: kat Trostlos sehen die Gärten in der Mühlenkampsiedlung aus

Haus unter Wasser, Familie verzweifelt

Metzendorf (cm). In dem Wohnzimmer türmt sich das Spielzeug von Tom und Yella, die zweijährigen Zwillinge quengeln. Sichtlich angeschlagen, versucht ihre Mutter Britta Hammer die beiden abzulenken, Ehemann Thomas sitzt am Tisch, blickt auf den See, der ein Garten sein sollte, und sagt leise: "Uns bleibt wohl nur die Flucht."

Vielen Betroffenen im Landkreis haben die Wassermassen der vergangenen Wochen heftig zugesetzt, doch für die vierköpfige Familie war die jüngste Flut nur der Gipfel einer Unheilsgeschichte, die mit ihrem Einzug in das neugebaute Häuschen bei Metzendorf im Herbst 2000 begann. Schon im Juli 2001 machte die Familie erste Bekanntschaft mit dem Wasser. Ein Gewitterguss ließ den Regen über den Hang hinter dem Haus hinabschießen, setzte den Keller unter Wasser. "Seitdem stand unser Haus elfmal unter Wasser", erzählt Hammer.

Mit dem Hausbesitzer, der ihnen inzwischen eine Betonmauer und einen mit Folie gedämmten Wall vor die Nase gesetzt hat, liegen sie im Dauerclinch. An Gemeinde und Landkreis hatten sie sich in ihrer Verzweiflung gewandt, als der Eigentümer die Lage auf diese Weise zu lösen versuchte. In der Seevetaler Verwaltung ist die Geschichte bekannt, "doch wir können nichts tun", bedauert Gemeindesprecher Michael Kaps. Grund: Das Haus ist nach dem vereinfachten Baurecht entstanden. Danach werden Bauanträge nicht mehr geprüft, wenn es für das Gebiet einen Bebauungsplan gibt. Problem: Wenn etwas schiefgeht, liegt die Verantwortung allein beim Bauherrn und Architekten.

(HAN, 27.07.2002)

Samstag 03.08.2002

Wieder Regen-Chaos im Kreis

Und wieder trifft es Horneburg – Auch Stade Einsatzschwerpunkt

Sonst rauscht hier der Verkehr: Am Freitag ging der kleine Dominik Orschel (5) in seinen Gummistiefeln auf der überfluteten B 73 auf Höhe des Horneburger Sportplatzes spazieren.

Kreis Stade (uk/ing). Die Wetter-Kapriolen nehmen kein Ende: Am

 Donnerstagabend entlud sich das schwül-warme Sommerwetter über dem Kreis mit einem heftigen Gewitter und sintflutartigen Regenfällen. Die Rettungsmannschaften wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die Einsatzleitstelle, bei der die Drähte glühten, zählte 500 Regeneinsätze. Schwerpunkte: Horneburg, Lühe, Jork und Stade.

Schnell ging vor allem in Horneburg die Furcht um, dass sich die Katastrophe von vor zwei Wochen wiederholt. Ganz so schlimm kam es nicht. Die Aue blieb im Flussbett. Doch die Kanalisation war während der Gewitter-Niederschläge hoffnungslos überfordert. Feuerlöschteiche liefen über, das Wasser quoll aus den Gullydeckeln. Und wieder wurden mindestens 100 Keller überflutet. Der massive Einsatz von 20 Freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis, Technischem Hilfswerk und DLRG verhinderte Schlimmeres.
In Stade wurde Großalarm ausgelöst, da das Gewerbegebiet Süd und die Kopenkamp-Siedlung abzusaufen drohten. Auf den Straßen stand das Wasser mehr als einen halben Meter hoch. Bei Alpa Bowling, im Handelshof und in zahlreichen anderen Betrieben hieß es „Land unter“. Am Kopenkamp waren fast 900 Wohnungen betroffen. Mit massiver Verstärkung aus dem Umland pumpte die Stader Feuerwehr vom späten Nachmittag bis nachts um 1 Uhr 120 Keller und Gebäude leer.

Einige weitere Einsätze: Im Baugebiet Mojenhörn in Hollern-Twielenfleth flossen Fäkalien auf die Straße. In Jork-Moorende versagte die Pumpe des Schöpfwerks – bereits zum zweiten Mal, wundert sich Moldenhauer. Das THW aus Lüneburg schaffte Abhilfe. Rund um den Berliner Platz in Stade hatten sogar Feuerwehrautos Probleme mit dem Wasser auf der Straße. In Dollern schwappte es aus dem Mühlenteich, bedrohte den Bahndamm. Nach Polizeiangaben musste in Buxtehude der Ellerbruchtunnel wegen zu großer Wassermassen gesperrt werden. Überflutungen gab es außer im Ellerbruch in Buxtehude auch auf der Straße Westmoor, im Heidestieg und in der Moisburger Straße.



Ebenfalls bei Horneburg brach ein Teil der Straße in Richtung Bargstedt durch Ausspülungen weg. Fotos: Schwartau

B 73 - Land unter, Vollsperrung
Überflutung - Nichts ging auf der B 73, Regenmassen stauten sich bei Horneburg zu einem See.

Von Manfred Peschel

Horneburg - "Es lächelt der See, er ladet zum Bade." Frei nach dem altbekannten Wilhelm Tell von Friedrich Schiller, allerdings mitten auf der B 73 bei Horneburg. Nur gehört der ein Meter tiefe, 30 Meter breite und 300 Meter lange See dort nicht hin. Er sperrt die B 73 in Horneburg für den Durchgangsverkehr. Die Hochwassersituation hat sich nach den sintflutartigen Regenfällen am Donnerstagabend am Freitag entspannt, das Oberflächenwasser ist gestern in den Landkreisen Stade, Harburg und in Harburg schnell abgeflossen. Eben nur nicht an dieser Stelle der B 73.

Nach Angaben der Horneburger Feuerwehr sammelt sich in dieser Senke das Regenwasser von den Sportanlagen oberhalb der Straße. Die 6000 Kubikmeter "Badesee" abpumpen! Wohin? Die Siele des Ortes sind voll, sie fassen keine zusätzlichen Massen mehr. Um das Wasser in die Aue per Elektrokraft abzuleiten, müssten mehr als zwei Kilometer Schlauchleitungen gelegt werden. Das Pumpen soll jedoch kein Zeitgewinn zum natürlichen Absinken des Wasserstandes bringen. In Horneburg rutschte ein Teil des durchweichten Erdwalls im Freibad ins Schwimmerbassin. Das Erdreich zerstörte die Umwälzpumpen.

Auch in weiteren Teilen der beiden Landkreise und der Stadt Harburg hatten Feuerwehr, THW und DLRG sowie Polizei gegen die "Sintflut" zu kämpfen. Auf der A 7 kam es zu zwei Unfällen, die eine schwerverletzte Person forderte. Die Folge der Unfälle: Sperrung der A 7 und Staus.

Während rund 400 Helfer im Einsatz waren, brachen Autoknacker zwei Pkw von freiwilligen Feuerwehrleuten aus Leversen/Sieversen auf. Radios und Autozubehörteile wurden gestohlen.

In Krummendeich schlug der Blitz in ein 200 Jahre altes Reetdach-Bauernhaus ein, während der Landwirt seine Kühe melkte. Die meisten Kühe konnte der Bauer ins Freie treiben, drei Tiere verbrannten jedoch.

In Harburg stand auf einigen Straßen das Wasser bis an die Fußknöchel hoch. Hosenbeine hochkrempeln und barfuß nach Hause eilen, hieß da die Rettung. Auf dem Eißendorfer Pferdeweg schossen die Fluten wie in einem Wildbach hinunter zur Stader Straße (B 73).

erschienen am 3. Aug 2002 in Harburg

Schwere Schäden nach Unwetter

Harburg/Neu Wulmstorf (hh). Das heftige Unwetter vom Donnerstagabend hat in Norddeutschland zum Teil schwere Schäden angerichtet. Sintflutartige Regenfälle und Windböen von bis zu 80 Stundenkilometern lösten ein Chaos aus. Im Landkreis Harburg waren nach Angaben der Feuerwehr Winsen und Neu Wulmstorf besonders schwer betroffen. Binnen Minutenfrist liefen in Winsen zahlreiche Keller voll, wurden Straßenunterführungen überflutet.

Noch schlimmer traf es Neu Wulmstorf: ungezählte Keller - besonders im Bereich der Bahnhofstraße - soffen ab, in ihnen stand das Wasser teilweise bis zu zwei Meter hoch. Die Wassermassen - stellenweise fielen 50 Liter Regen auf den Quadratmeter - drückten Gullydeckel nach oben. In Rübke wurde mit 5000 Sandsäcken ein Schutzwall gegen drohende Überflutungen gebaut. In Spitzenzeiten waren rund 150 Feuerwehrleute allein in Neu Wulmstorf im Einsatz.

Die Hamburger Feuerwehren fuhren bis Freitag Morgen um 2.30 Uhr mit 900 Rettern rund 1400 Einsätze. "Wir haben hart gekämpft", sagte ein Sprecher. Umgestürzte Bäume legten den Verkehr auf der A 24 sowie eine S- und U-Bahn-Strecke lahm. An der Elbe wurde eine Frau von einem umkippenden Wohnwagen verletzt. In Adendorf fegte eine Windhose Autos um und deckte Dächer ab.

(HAN, 03.08.2002)



Alle aufgeführten Presseberichte sind von den angegebenen Zeitungen erstellt worden 
und wurden von der Homepage der Feuerwehr Buxtehude wortwörtlich übernommen. 
Aufgeführt sind Berichte aus:

  • Buxtehuder Tageblatt (BT)
  • Tageblatt online www.tageblatt.de (TO)
  • Mittwochsjournal vom Tageblatt (MJ)
  • Sonntagsjournal vom Tageblatt (SJ)
  • Neue Buxtehuder Wochenblatt (NB)
  • Hamburger Abendblatt (HA)
  • Hamburger Abendblatt - Harburger Rundschau (HR)
  • Hamburger Abendblatt online www.abendblatt.de (AO)
  • Harburger Anzeigen & Nachrichten online www.han-online.de/ (HANO)
  • Feuerwehrmagazin online www.feuerwehrmagazin.de (FM)

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