| Großfeuer zerstört
Galvanisierungsbetrieb in Neu Wulmstorf
Ein Großfeuer im Neu Wulmstorfer Industriegebiet vernichtete am Abend des 09.12.2011 eine Lagerhalle in der Rudolf-Diesel-Straße und forderte den Einsatz mehrerer Feuerwehren aus den Landkreisen Harburg und Stade, sowie der Berufsfeuerwehr Hamburg. Kurz vor 18:00 Uhr gingen in der Feuer- und Rettungsleitstelle Winsen mehrere Notrufe aus Neu Wulmstorf ein. Passanten meldeten eine starke Rauchentwicklung aus einer Lagerhalle in der Rudolf-Diesel-Straße. Hierzu wurden um 18:00 Uhr die Feuerwehren aus Neu Wulmstorf und Rübke mit dem Stichwort „Feuer in/an Gebäude“ von der Leistelle alarmiert. Bereits kurz nach dem Ausrücken der ersten Einsatzkräfte konnte die Leistelle, aufgrund weiterer Notrufe, dem Einsatzleiter mitteilen, dass bereits Flammen aus dem Dach der Halle schlagen sollen. Als die Einsatzkräfte die Hauptstraße erreichten, konnten sie bereits am Himmel den Feuerschein erkennen und „auf Sicht“ die Einsatzstelle anfahren. Unverzüglich wurde aufgrund der Informationen der Leitstelle und des Feuerscheins die Feuerwehren aus Elstorf und Rade nachalarmiert. Auf der Anfahrt rüsteten sich auf allen wasserführenden Fahrzeugen die Angriffstrupps mit
umluftunabhängigen Atemschutz aus. Die ersten eintreffenden Feuerwehrkräfte fanden eine ca. 60x20 Meter große Lagerhalle in Vollbrand vor. Flammen schlugen offen aus dem Dach und aus den Fenstern
heraus. Um sich einen Zugang zu dem Firmengelände zu verschaffen wurde das Werkstor mit einem hydraulischen Spreitzer geöffnet. Währendessen wurde bei der ersten Erkundung festgestellt, dass die Halle einem Galvanisierungsunternehmen zugehörig ist. Eine Wasserversorgung wurde rasch aufgebaut und ein erster Angriffstrupp ging unter Atemschutz in das Gebäude vor. Hier öffnete der Trupp ein Hallentor an der Westseite des Komplexes. Beim weiteren Vorgehen und der Brandbekämpfung im Inneren wurden mehrere Regale mit stark ätzenden und giftigen Chemikalien entdeckt, welche teilweise in Brand standen. Ein zweiter parallel eingesetzter Atemschutztrupp von nachrückenden Löschfahrzeugen öffneten ein Hallentor an der Ostseite. Anschließend wurde in der Osthalle die Produktionsstrecke zum Metallveredeln ausgemacht. Insgesamt drei Becken mit Säuren standen in Flammen. Aufgrund dieser Rückmeldungen der zwei eingesetzten Trupps wurde der Innenangriff sofort eingestellt und eine Sperrzone um das Gebäude errichtet, welche nur noch mit Atemschutz betreten werden durfte. Mittlerweile wurde die Drehleiter Neu Wulmstorf in Stellung gebracht und mit einem Wendestrahlrohr die Brandbekämpfung mit Schaum und Wasser eingeleitet. Zeitgleich ging ein dritter Atemschutztrupp in den Bürotrakt vor und schaltete im gesamten Gebäude den Strom ab, sowie die Gashauptleitung. Die Feuerwehr Buxtehude wurde nachalarmiert um mit einer zweiten Drehleiter einen guten Angriffsweg auf das Dach und weitere wasserführende Fahrzeuge und Personal an die Einsatzstelle zu bekommen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung und den gefundenen Chemikalien im Inneren des Gebäudes wurde der Fachzug Spüren und Messen der Kreisfeuerwehr Harburg ebenfalls nachalarmiert. Polizeistreifen fuhren durch die angrenzenden Wohngebiete und forderten die Bewohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Aufforderung wurde auch durch den Rundfunk ausgestrahlt. Desweiteren wurde durch die Polizei das komplette Industriegebiet ab der Justus-von-Liebig-Straße gesperrt und Bewohner im direkten Umfeld evakuiert. Die eintreffenden Feuerwehren aus Elstorf und Rade bauten sich auf der Ostseite des Objektes auf und es wurden zwei Einsatzabschnitte eingerichtet. Im Einsatzabschnitt eins, die Westseite des Gebäudes, wurden die Feuerwehren Neu Wulmstorf und Rübke eingesetzt und im Einsatzabschnitt zwei von der Ostseite die Wehren Elstorf und Rade. Die Einsatzleitung übernahm der stellvertretende Gemeindebrandmeister Michael Bulst, der den Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr ebenfalls zur Einsatzstelle rufen ließ. Die Feuerwehr Elstorf setzte ihren Wasserwerfer des Tanklöschfahrzeuges ein und an beiden Einsatzabschnitten wurde ein massiver Löscheinsatz von Außen mit mehreren Trupps unter Atemschutz mit Schaum und Wasser durchgeführt. Zur Sicherheit der Einsatzkräfte wurde ein Rettungswagen der JUH aus Elstorf und der Notarzt des DRK aus Lindhorst zur Bereitstellung gerufen, bis die mitalarmierten Schnelleinsatzgruppen vom Landkreis Harburg des DRK und der JUH am Einsatzort mit medizinischen Personal und Geräten sowie mit Verpflegung eingetroffen waren. Die eintreffenden Feuerwehrkräfte des Buxtehuders Zug 1 brachten ihre Drehleiter in Stellung und setzten ebenfalls ein Wendestrahlrohr zur Brandbekämpfung ein. Der massive Löscheinsatz, in Spitzenzeiten mit bis zu 5 C-Rohren, 2 B-Rohren, 2 Schaumrohren, 2 Wendestrahlrohren und einem Wasserwerfer zeigte schließlich seine Wirkung und die Flammen konnten niedergedrückt werden. Allerdings wurde der eingesetzte Schaum teilweise durch die geöffneten Hallentoren ins Freie gedrückt, dessen Kontamination nicht ausgeschlossen werden konnte. Mittlerweile konnte anhand des Lageplanes der Firma festgestellt werden um welche Chemikalien es sich in dem Gebäude handelte. Unter anderem lagerten in diesem Komplex Salz-, Schwefel-, Salpetersäure und Zyankali. Da durch das Feuer die gesamte Produktionsanlage zerstört wurde und ein austreten der Chemikalien nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde der Fachzug Gefahrgut der Kreisfeuerwehr Harburg, der Umweltdienst und der B-Dienst der Berufsfeuerwehr Hamburg angefordert. Nach gut drei Stunden wurde das Feuer unter Kontrolle gebracht und es konnte der Leitstelle „Feuer aus“ gemeldet werden, nachdem mit zwei Wärmebildkameras die Halle auf Brand- und Glutnester abgesucht worden war. Während der gesamten Brandbekämpfung wurden in regelmäßigen Abständen Luftmessungen vorgenommen. In den Rauchschwaden wurde Blausäure nachgewiesen, die aber wegen der starken Winde schnell verflog. Nun wurde die Halle von Feuerwehrkräften der Gefahrguteinheit des Landkreises Harburg und der Berufsfeuerwehr Hamburg unter schweren Chemikalienschutzanzügen kontrolliert, Messungen vorgenommen und Proben an verschiedenen Stellen entnommen. Gleichzeitig wurde die Dekontaminationseinheit auf einem angrenzenden Firmenparkplatz eingerichtet. Während diesen Maßnahmen wurden alle Einsatzkräfte, die an oder in dem Objekt eingesetzt wurden von einem Notarzt auf gesundheitliche Auffälligkeiten untersucht. Diese Untersuchung fiel bei allen Kräften negativ aus. Außerdem war eine Verpflegungsstation aufgebaut um die Einsatzkräfte mit einer warmen Suppe und Getränken zu versorgen. Da keine gefährliche Konzentration von Giftstoffen außerhalb des Gebäudes und in der Umgebungsluft festgestellt werden konnte und keine großen Mengen an Chemikalien ausgelaufen waren, wurde das Gebäude von den Einsatzkräften versiegelt. Das kontaminierte Löschwasser und die Säuren und Laugen in dem Gebäude müssen von einer Spezialfirma aufgenommen und entsorgt werden. Nach weiteren 3 Stunden konnte der Einsatz seitens der Feuerwehr beendet werden. Insgesamt waren über 6 Stunden mehr als 150 Einsatzkräfte, davon 50 unter
umluftunabhängigen Atemschutz, aus den Feuerwehren Neu Wulmstorf, Rübke,
Elstorf, Rade, Buxtehude Zug 1, Jesteburg, Maschen, Ashausen, B-Dienst und der Umweltdienst der Berufsfeuerwehr Hamburg im Einsatz. Kreisbrandmeister Harburg Dieter Reymers, Abschnittsleiter Elbe Volker Bellmann, Gemeindebrandmeister Neu Wulmstorf Uwe Schievink, Stadtbrandmeister Buxtehude, sowie der Neu Wulmstorfer Bürgermeister Rosenzweig machten sich selbst vor Ort ein Bild der Lage. Am Ende des Einsatzes wurde noch ein Abrollbehälter der Feuerwehr-Technischen-Zentrale angefordert, um vor Ort direkt die kontaminierten Gerätschaften zu tauschen und der Reinigung schnellstmöglich zuzuführen. Brandermittler der Polizei haben das Gebäude beschlagnahmt. Die Höhe des Sachschadens, sowie die Brandursache sind bisher unbekannt.
Einsatzbericht
FF Neu Wulmstorf
Fotos:
Buxtehuder Tageblatt
Fotos:
Kreisfeuerwehrpressesprecher LK Harburg
|